Es beginnt mit dem Ende: Im Jahr 1791 macht der Großinquisitor Zelada dem Grafen Cagliostro den Prozess. Der vom europäischen Adel hofierte, von den Massen geliebte und von den Brüdern seiner ägyptischen Loge verehrte "Großkophta" schweigt zumeist bei den Verhören, doch seine "Bekenntnisse, von eigener Hand in der Bastille verfasst" geben beredte Auskunft über ein atemberaubendes Leben, das immer am Abgrund entlangläuft und Zelada zunehmend in seinen Bann schlägt. Von frühester Jugend an hat Cagliostro seine Mitmenschen zu bezaubern und zu täuschen gewusst und es damit weit gebracht. Im Duktus eines Schelmenromans erzählt Michael Schneider vom unwahrscheinlichen Aufstieg eines Gossenjungen aus Palermo, der als Giuseppe Balsamo zur Welt kommt, zum gefeierten Heilkundigen und Logenvorsteher wird, immer in der Gefahr aufzufliegen und immer aufs Neue wagemutig und vom Schicksal begünstigt. Ein Leben an der Seite seiner Komplizin, der Gräfin Serafina, das in der sogenannten "Halsband-Affäre" gipfelt - und ein pralles Sittengemälde des 18. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2007
Völlig hingerissen zeigt sich Beate Tröger von Michael Schneiders Roman "Das Geheimnis des Cagliostro". Das Werk über den Grafen Cagliostro, der der historischen Figur des Alessandro Conte di Cagliostro nachgebildet ist, überzeugt sie durch seine vollkommene, in der deutschen Literatur eher seltene Synthese von spannender Unterhaltung und philosophischer Reflexion. Die Figur des Cagliostro, für Tröger ein veritabler Seelenverwandter von Thomas Manns Felix Krull, übt offenbar seit Jahrhunderten eine mächtige Austrahlungskraft auf zahllose Autoren aus, der sich auch Schneider und die begeisterte Rezensentin nicht entziehen können. Sie berichtet in diesem Zusammenhang, dass sich über fünfhundert Autoren, Biografen und Chronisten für den Grafen interessierten, den sie als faszinierende Verkörperung der "dunklen Seite des Jahrhunderts der Aufklärung" betrachtet. Sie sieht in Cagliostro und seinem Gegenspieler, den Großinquisitor Zelada, die Dialektik von Glaube und Vernunft, von Ver- und Entzauberung anschaulich und lebendig gespiegelt. Insgesamt würdigt Tröger den Roman als wunderbare Neuinterpretation der Figur des Cagliostro und seiner Zeit.
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