Mit 22 Abbildungen. 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, führt Hitler einen ganz persönlichen Kampf: den Kampf für die Spitzmaus. Biologen, die sich erdreistet hatten, dem irrtümlich als "Maus" bezeichneten Tier einen anderen Namen zu verpassen, drohte er mit einem Arbeitseinsatz an der Ostfront. Um die richtigen Namen für die Natur wird - wenn auch weniger dramatisch - seit jeher gerungen. Entgegen der ausgefeilten Systematik der Tierkategorisierung unterliegt die Namensgebung selbst der Freiheit des Entdeckers und gestaltet sich entsprechend kunstvoll wie kontrovers. Doch wie passt das mit dem Exaktheitsanspruch der Naturwissenschaft zusammen? In einer unterhaltsamen Expedition durch die Geschichte der Naturkunde, durch Museen und Wildnis, eröffnet uns Michael Ohl eine eigentümliche, faszinierende Sprachwelt, die sich von volkstümlichen Bezeichnungen über die Systematisierung bei Linné bis hin zur Genetik stetig weiterentwickelt hat. Er erzählt die Geschichte von waghalsigen Abenteurern und sammelwütigen Sonderlingen und erklärt, warum der Maulwurf sein Maul bei sich behält und das Murmeltier pfeift und nicht murmelt. Mit diesem Verständnis des sinnlichen Wechselspiels von Kultur und Natur können wir begreifen, warum die "Diva unter den Pferdebremsen" mit goldenem Hinterteil den Namen von Beyoncé trägt, und was es mit der merkwürdigen Art "Homo sapiens" auf sich hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2015
Rezensent Helmut Mayer möchte am liebsten gleich los ins Naturkundemuseum, um das bei Michael Ohl Gelernte anzuschauen. Das Buch des Biologen macht den Rezensenten mit dem Prozedere der Artenbenennung bekannt, erklärt, wie aus Gattungsnamen und Epitheta Taufnamen für neue Tierarten entstehen und wie steinig der Weg über morphologische Feinheiten sein kann, der schließlich zur Feststellung einer neuen Art führt. Taxonomische Systematik nennt sich das, weiß Mayer nun, ein weites Feld, dessen Ausdehnung der Autor allerdings immer nur kurz erahnen lässt, wie Mayer einräumt.
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