Michael Lentz

Offene Unruh

100 Liebesgedichte
Cover: Offene Unruh
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010
ISBN 9783100439260
Gebunden, 167 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Michael Lentz schreibt über die Liebe, als sei noch nie darüber geschrieben worden. Selbstbewusst und subversiv, leidenschaftlich liebeswund, verführerisch, so dass dem Liebenden das tausendfach Gesagte neu erscheint.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.12.2010

Liebeslyrik ist ein schwieriges Feld, das weiß Beatrice von Matt. Dass sie dem Autor, den sie als "blitzgescheiten" Menschen kennt, durch die Blume rät, doch besser wieder so ein schönes romaneskes Langgedicht, wie "Liebeserklärung" zu schreiben, anstatt sein Können mit trockener "Gedankenakrobatik" zu vergeuden, hat mit dieser Schwierigkeit zu tun. Angesichts der Leerstelle, die die Liebe hier einnimmt, wähnt die Rezensentin gar, es gehe um etwas ganz anderes. Ein bisschen allzu jenseitig, unkonkret erscheint ihr Zweisamkeit hier, auch wenn es ums Verlassensein geht. Eigentlich vernimmt sie immer nur das sprechende Ich. Und das ist ihr auf Dauer schlicht zu wenig, die Trauer bleibt farblos, findet sie. Und ein paar gelungene Bilder und überraschende Überlegungen machen das nicht wett.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2010

Wahrhaftig, Wulf Segebrecht hat ein Buch der Liebe gefunden, das so raffiniert wie einfältig, so verspielt wie ernsthaft, vor allem aber äußerst kunstreich daherkommt und damit, wie Segebrecht zu verstehen gibt, genau seinem Thema entspricht. Dass Michael Lentz es in seinen Gedichten auch noch vermag, Originelles an Situationen und Redewendungen zur Liebe in die Welt zu setzen (wenngleich aus konsequent männlicher Perspektive), lässt Segebrecht uns den Band als Kompendium empfehlen. Der verliebte Leser, so lernen wir, kann hier wählen zwischen dem herkömmlichen Vokabular europäischer Liebessprache und ganz neuen Wörtern, Kalauern und weisen Liebesschwüren oder aber verlentztem Rilke und Goethe ("wer nie sein Handy mit Tränen aß..."). Raffiniert, findet unser Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2010

Anbiederung gefällig? Dann empfiehlt ein recht böser Tobias Lehmkuhl diesen Gedichtband von Michael Lentz. Geboten werden neben pseudo-poetischen Späßchen, Kalenderblatt- und Akademikerlyrik vor allem magerer Gehalt und einfallslose Form ("Poesiealben-Floskeln"). Noch nicht überzeugt? Lehmkuhl hat noch mehr in petto: Das ach so unordentliche Gefühl der Liebe nämlich, erklärt der Rezensent, fasst der Autor so harmlos wie nur möglich, um nur ja keinen zu verschrecken. Chaos, Terror, Wahnsinn der Liebe? Fehlanzeige. Liebe ist... Bei Lentz, so stellt Lehmkuhl traurig fest, das, was wir alle schon immer wussten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2010

Quadratisch, praktisch, gut erscheint Rolf-Bernhard Essig dieser Band mit Liebes- und Leidensgedichten von Michael Lentz, auch wenn er vom Autor schon Stärkeres gelesen hat. Das Einfache, das Larmoyante, auch das Hohelied der Liebe kann ihm Lenz kenntnisreich, witzig und sprachlich versiert, im literarischen Fundus von Gryphius bis Rilke wildernd, wie Essig herausfindet, nahebringen. Dass Lentz den hier und da vorgefundenen hohen Ton mit schnoddrigem Gebrabbel auflockert, macht Essig die Lektüre angenehmer. Zur Kenntnis nimmt er auch die zum Repertoire anerkannter Dichter gehörenden "Archaismen und Neologismen" wie "kleinwirsch", "zikadierst", "mein tausendschönes subjektil". Im Übrigen ist er am frohsten, wenn die allseits durch die Texte wehende Kühle, das Coole, von einem heiteren Ton a la Kästner abgelöst wird oder Lentz sich dem kleinen Alltagsdetail widmet oder "betörend" Liedhaftes dichtet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2010

"Herbe Produktenttäuschung" gibt Florian Illies zu Protokoll, denn die Videolesungen von Michael lentz, die dieser Publikation vorausgegangen seien, erzeugten bei ihm ein Bild, das die gedruckten Texte nun nicht einzulösen vermögen. Was Illies an ihnen fehlt, ist das, was die "angestrengte Nonchalance" der visuellen Selbstpathetisierung dieses Lautpoeten zu simulieren versuchten, nämlich Körperlichkeit. So handele es sich nicht um Liebesgedichte, wie im Untertitel behauptet, sondern um Texte, die Liebe sublimieren würden, in dem sie sie in Sprache verwandeln. Hier erlebt der Kritiker zwar vereinzelt sprachliche Glücksmomente. Grundsätzlich hat er aber den Eindruck, dass Michael Lentz im Zuge der Wortakrobatik immer wieder die Pferde durchgehen, was sich aus Illies' Sicht höchst nachteilig auf die Qualität dieser Texte auswirkt.
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