Michael Krüger

Das Irrenhaus

Roman
Cover: Das Irrenhaus
Haymon Verlag, Innsbruck 2016
ISBN 9783709972526
Gebunden, 192 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Dieser Mann ist ein Glückspilz: Von der Tante einer Tante erbt er in bester Lage Münchens ein großes Mietshaus. Also hängt er seinen Job als Archivar an den Nagel, bricht alle Zelte ab und zieht in eine freie Wohnung seines neuen Hauses ein. Unter falschem Namen, versteht sich, immerhin will er dem Müßiggang frönen und sich nicht unnötig mit seinen Mietern herumschlagen. Da hat er die Rechnung ohne die illustre Nachbarschaft gemacht: vom unbeugsamen Derivatehändler und der notorisch einsamen Studienrätin bis zum Vorgänger in seiner Wohnung, ein Schriftsteller, der überall Spuren hinterlassen hat und immer noch sonderbare Post erhält. Kurzerhand beschließt der Mann, in die Haut des ominösen Autors zu schlüpfen. Er kopiert dessen Schrift, trägt dessen Gedichte vor, eignet sich das Verhalten eines echten Schriftstellers an und erkundet, wie sich dieses neue Leben anfühlt. Bis eines Tages eine Nichte desselben vor der Tür steht, und kurz darauf eine Frau, die behauptet, er habe ihre Werke plagiiert und gestohlen. Was tun? Aus dem Einsamen wird ein Verfolgter. Als die Schlinge sich immer stärker zuzieht, plant er seine Flucht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2016

Wolfgang Schneider fühlt sich entschädigt für die konstruiert wirkende Handlung und die ein oder andere maue Pointe in Michael Krügers Mietshausroman. Schon das Panoptikum skurriler Gestalten, das der Autor eröffnet, macht ihm irrsinnige Freude. Ferner labt er sich an schönen Sätzen, liebevollen Details, scharfen Beobachtungen, bissigen Reflexionen und lyrischen Momenten im Text. Dass Krüger sein Mietshaus nicht realistisch soziologisch betrachtet, sondern eher kafkaesk aus der Sicht eines Mannes, der sich im eigenen Leben immer fremder fühlt, findet Schneider reizvoll.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.12.2016

Kristina Maidt-Zinke lässt sich von Michael Krüger in den Mikrokosmos Mietshaus entführen. Gern macht sie das, weil Krüger mit neuer Lässigkeit, wie Maidt-Zinke schreibt, eine problematische Schriftstellerfigur im ruhelosen Ruhestand, begabt mit den philosophischen und sprachlichen Fähigkeiten des Autors, ins Zentrum seines Textes stellt. Der Ton der Erzählung erinnert die Rezensentin angenehm an Wilhelm Genazino, wohl eine Seelenverwandtschaft zwischen den beiden Autoren, mutmaßt sie. Wie Krüger seine Figur langsam in die Haut seines Vormieters schlüpfen lässt und er das Mietshaus als Welt en miniature vorführt, hat Maidt-Zinke Spaß gemacht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2016

Als Verleger konnte Michael Krüger viele Jahre lang Stoff über die Abgründe und Eigenheiten des Lebens als Schriftstellers sammeln, um nun einen überaus humorvollen Roman damit zu füllen, weiß Rezensent Martin Zingg. In "Das Irrenhaus" erzählt er die Geschichte eines Mannes, der nichts sehnlicher wünscht, als etwas weniger Leben und etwas mehr Langeweile, lesen wir, doch in dem Haus, in das er sich zurückzieht, findet er genau das Gegenteil und wird schließlich von einem Leben überrollt, das nicht sein eigenes ist, oder doch? Dabei beweist sich Krüger, so der entzückte Rezensent, nicht nur als Kenner der Zunft, sondern auch selbst als "leichtfüßiger Erzähler", der gekonnt, gewitzt, elegant seine Leser mit seinen ironischen Anspielungen und seinem "heiteren Skeptizismus" zu erfreuen weiß.
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