Michael Kleeberg

Vaterjahre

Roman
Cover: Vaterjahre
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2014
ISBN 9783421043559
Gebunden, 512 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Ein Mann, seine Frau(en), seine Kinder, seine Familie, seine Arbeit, seine Freunde. Seine Stadt. Seine Zeit. Karlmann Renn ist ein moderner Jedermann zwischen Lächerlichkeit und Triumph, und sein Alltag, der Weltalltag unserer Epoche. Der Roman erzählt von der Liebe und Sorge eines Vaters, von Selbstbehauptung im Beruf, von der Konfrontation mit Kindheit und Familie, den Abgründen der Freundschaft, den Verlockungen des Ausbruchs und vom Einbruch des Todes. es ist die Geschichte des mühevollen Reifeprozesses und der Bewährungsproben Karlmann Renns, der sein Leben ohne die Tröstungen der Religion, der Kunst und der Philosophie meistern muss.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2014

Ijoma Mangold findet es unverständlich, dass Michael Kleeberg noch immer in die Kategorie "ferner liefen" einsortiert wird, dafür sei der Autor viel zu begabt und seine Bücher zu wunderbar boshaft, findet der Rezensent. Mit seinem neuen Roman "Vaterjahre" liefert Kleeberg jetzt die Fortsetzung seines Zyklus' um Karlmann "Charly" Renn, diesen Kotzbrocken vor dem Herrn, der in Beruf- und Privatleben seinen Eitelkeiten frönt, kleinlich, neidisch und überhaupt kleinherzig ist, zählt Mangold auf. In seiner zynischen Ausgestaltung ist Charly uns aber so entlarvend nahe,  dass er uns daran erinnert: "wir sind alle Kotzbrocken", so der Rezensent. Der Autor führt "die grotesken Ehrpusseligkeiten der menschlichen Komödie" auf so großartige Weise auf, dass Mangold an die Buchhändler appelliert, ihre Auslagen doch einmal mit Kleeberg zu füllen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.08.2014

Nicht nur einmal muss Dirk Knipphals beim Lesen von Michael Kleebergs Roman den Atem anhalten angesichts von Schicksalsschlägen und Einsichten über die Abhängigkeit des Einzelnen von seiner sozialen Umgebung. Auch wie klug, facetten- und assoziationsreich Kleeberg Familienleben, hanseatische Unternehmenskultur und Charaktere schildert, beeindruckt ihn sehr. Vor allem, da es dem Autor gelingt, den idealtypischen Lebensweg Charly Renns in den 90ern, Golfspiel und Verhaltenstherapie inklusive, so zu schildern, dass der Rezensent dauernd Vergleiche anstellen kann zu eigenen Ansichten und Einsichten, ohne die Anteilnahme an Charlys Dasein einzubüßen. Laut Knipphals lässt sich das Buch übrigens prima unabhängig vom ersten Teil der Karlmann-Saga lesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2014

Dafür, dass dieser Autor die ihm zustehende, doch bislang ausgebliebene Geltung bekommt, legt sich Burkhard Müller ins Zeug und beschreibt den "großen, genauen" Ernst seiner Romankunst. Der besteht laut Müller darin, dass Michael Kleeberg erzähltechnisch einiges wagt, indem er etwa aus der Mitte der Geschichte heraus immer wieder Reflexionen in den Text einfließen lässt, die dem Rezensenten im Verhältnis zur Handlung gut ausbalanciert scheinen. Insgesamt ergibt das für Müller nicht weniger als einen Ansatz zu einem geschichtlichen Abriss der Bundesrepublik, essayistisch epochenbezogen, wie bei Musil, und mit Kleebergs "Karlmann-Zyklus" dessen zweiter Teil nun vorliegt, sich rundend, wie Müller zu verstehen gibt. Die derzeitige Einzigartigkeit eines solchen Unternehmens steht für den Rezensenten außer Frage, auch wenn der Autor mit einem Müller wirklich enorm bildungsbürgerlich vorkommenden ersten Wort zu seinem Text einlädt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2014

Sandra Kegel merkt Michael Kleebergs neuem Roman "Vaterjahre" an, dass der Autor sowohl Proust als auch Dos Passos übersetzt hat: die Handlung hüpft durch verschiedene Zeitebenen, um den Anfang am Ende wieder einzuholen, die Beschreibungen verraten eine Liebe zur akribischen Darstellung von Details, die Erzählstimme schwankt zwischen Innen- und Außensicht, und strukturierte Dialoge können plötzlich durch assoziative Gedankenströme abgelöst oder unterbrochen werden, erklärt die Rezensentin. Protagonist des Romans ist Charly Renn, den Kegel schon aus "Karlmann" kennt. Er ist ein desillusionierter Volkswirt, der sich vor allem für Sport, Fernsehen, seine Männerfreunde und seine Tochter interessiert, und der allgemein wenig über das Leben nachdenkt, berichtet die Rezensentin. Das übernimmt allerdings der Erzähler in essayistischen Reflexionen für ihn, informiert Kegel, die dies anspruchsvoller findet, als eine authentische individuelle Psychologie darzustellen. Auch Zeitgeist schimmert in diesem bemerkenswerten Roman durch, verrät die Rezensentin.