Richard Yates

Cold Spring Harbor

Roman
Cover: Cold Spring Harbor
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2015
ISBN 9783421046109
Gebunden, 240 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Gunkel. Charles und Grace Shepard leben in den 1940er-Jahren im Städtchen Cold Spring Harbor auf Long Island. Sie sorgen sich um Sohn Evan, der nach einer wilden Pubertät und einer früh gescheiterten Ehe nicht recht auf die Beine kommt. Da lernen sie zufällig Familie Drake kennen. Während die trinkfreudige Mutter Gloria Charles anhimmelt, der für sie den Lockruf des 'alten Geldes' verkörpert, verliebt sich Evan in Glorias Tochter, die stille, schöne Rachel. Nach einer kurzen Verlobungszeit heiraten sie, doch das Haus in Cold Spring Harbor müssen sie sich mit Gloria teilen.
Ein Roman über Väter und Söhne, Mütter und Töchter, die Liebe und die Fehler der Jugend.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.04.2016

Endlich erscheint auch Richard Yates' bereits 1986 veröffentlichter Roman "Cold Spring Harbor" auf Deutsch, freut sich Rezensent Tilman Urbach. Denn Yates, viel zu lange als Geheimtipp gehandelt, vermag wie kaum ein zweiter Autor, mit außergewöhnlicher Zärtlichkeit und zugleich Sanftheit Lebenslügen von Durchschnittsmenschen zu entlarven, schreibt der Kritiker. Und so eröffnet auch diese Geschichte um das junge Paar Evan und Rachel, das nicht nur an den eigenen unterschiedlichen Lebensentwürfen, sondern auch an der ständigen Gegenwart von Rachels alkoholkranker Mutter Gloria zerbricht, wieder ein Panorama von Amerikas Mittelschicht der vierziger und fünfziger Jahre, berichtet Urbach, der besonders Yates' "scharfsichtige" Empathie schätzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015

Richard Yates und seine Verlorenen. Verena Lueken liebt sie, gerade weil der Autor ihnen keine Erlösung gönnt. So auch in diesem letzten Roman des Autors von 1986, der als Tragödie laut Lueken nur schwach beschrieben ist. Long Island in den 40ern, die Mittelschicht kann noch glauben, verliert jedoch zusehends den Halt. Für Lueken besticht das Buch weder durch Formexperimente noch durch die Sprache oder die Plausibilität der Handlung, sondern durch seinen Realismus. Indem der Autor die Verheerungen der Seele durch sozialen Druck erkennt und abbildet, in diesem Buch multiperspektivisch, wie Lueken erklärt, beschert er der Rezensentin einen großen Text.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.11.2015

Freudig verkündet Rezensent Christopher Schmidt, dass Richard Yates' bereist 1986 erschienener letzter Roman "Cold Spring Harbour" nun auch auf Deutsch vorliegt. In dem Alterswerk des allzu lange unterschätzten Autors entdeckt der Kritiker noch einmal all die Motive und Figuren, die Yates' Romane seit seinem Debüt "Zeiten des Aufruhrs" bevölkerten. Wie ein Gemälde von Edward Hopper erscheint dem Rezensenten dieser Roman, in dem der von Alkoholexzessen und psychotischen Schüben geplagte Autor von einer manisch-depressiven und alkoholsüchtigen Mutter erzählt, die Anfang der vierziger Jahre in New York mit ihren beiden Kindern verwahrlost. Gebannt beobachtet Schmidt, wie Yates die Sehnsüchte seiner Figuren an den schlimmstmöglichen Schicksalswendungen scheitern, psychische Krisen auf materielle folgen lässt und dabei mit so viel Kraft, Ruhe und Schönheit erzählt, dass Yates' Desillusionierungskunst beim Rezensenten lange nachhallt.
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