Klaus Modick

Vatertagebuch

Cover: Vatertagebuch
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783821857442
Gebunden, 448 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Authentisch und diskret berichtet Klaus Modick von einem Jahr Familienleben und seiner Rolle als Vater. Und selten haben derart subjektive Beobachtungen zu einer Aussagekraft gefunden, die zugleich das Allgemeine treffen. Montag, 12. Januar: Emily berichtet, in der Schule sei nach bekannten Künstlern gefragt worden, die aus Oldenburg stammen. Nach langem Schweigen und dem Hilfsstichwort vulgo: Eselsbrücke "Museum" sei endlich Horst Jansen genannt worden. Erneutes Schweigen. Nachfassen der Lehrerin, wie's denn mit der Literatur sein? Da sei dann schließlich mein Name gefallen. Wohl mit gedachtem Fragezeichen. Das sei Emily alles sehr, sehr peinlich gewesen. Ich kann's ihr nachfühlen, aber immerhin: In Oldenburg bin ich Goethe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2005

Rezensent Jochen Hörisch hat sich entschlossen, das "Vatertagebuch" als einen "Selbstversuch" zu lesen, denn so gewinnen führ ihn viele "banale, ärgerliche, eitle, missglückte Passagen" eine höhere, gewissermaßen dialektische Rechtfertigung. Das Tagebuch erzähle vom glücklichen Leben eines erfolgreichen Schriftstellers aufgrund eines glücklichen Ehe- und Familienlebens. Eine solche weltanschauliche Grundlegung, so der Rezensent, sei aus der Sicht der Literatur und Kunst, die stets das Außergewöhnliche wolle, hochgradig subversiv. Solange das Tagebuch solche "Paradoxien" eines Schriftstellers als Selbstversuch "vorführe", mache das seinen "subtilen Reiz" aus. Sobald solche "Lesefrüchte" aber durch "essayistische Exkurse verdoppelt" würden, hört für den Rezensenten die Freude auf. "Wunderbar" wiederum sei die "Doppelmotivik", Kinder und Bücher in die Welt zu setzen. Diesem psychologisch und philosophisch raffinierten Motiv gebe Modick eine "heilig-nüchterne Wendung" wenn er bekennt, dass er seinen heutigen "unterhaltsamen" Schreibstil den Finanzsorgen eines Familienvaters zu verdanken habe.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.06.2005

Ziemlich beeindruckt ist Jan Engelmann, wie sich Klaus Modick in seinem "Vatertagebuch" als "Familienfundi" outet, als jemand, der die "leere Ordnung der Kinderlosigkeit" freudig gegen die familiäre Geborgenheit eingetauscht hat. Allerdings stellt Engelmann klar, auch wenn es Modick um Intimität geht, hat sein schonungsloses Buch nichts mit der neuerdings in Mode gekommenen "väterlichen Erbauungsliteratur" gemein, in der sogar noch "Gummistiefelmatsch" in Pastell gezeichnet werde. Staunend hat Engelmann vielmehr vernommen, wie hier jemand der "Wichtigtuerei des Individuums" abschwört, die nur zu einer "Form gesellschaftlicher Impotenz" führe, wie er Modick zitiert. Gern verbreitet Engelmann auch Modicks Erfahrung, dass Kinder keine "Kreativitätsbremse" darstellen.
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