Michael Howard

Die Erfindung des Friedens

Über den Krieg und die Ordnung in der Welt
Cover: Die Erfindung des Friedens
zu Klampen Verlag, Lüneburg 2001
ISBN 9783924245986
Gebunden, 111 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Haupt. Michael Howard, der bedeutendste lebende Kriegshistoriker aus England, wirft in seinem Essay einen nüchternen Blick auf die Geschichte des Krieges - gerade um die große aufklärerische Idee eines "ewigen Friedens" nicht preiszugeben. "Krieg", so lautet Howards Grundthese, "scheint so alt zu sein wie die Menschheit, Frieden aber ist eine moderne Erfindung". In der ganzen menschlichen Geschichte war Krieg für die überwältigende Mehrzahl der Gesellschaften eine selbstverständliche Angelegenheit, durch die Rechts- und Sozialstruktur entscheidend geprägt wurden. Erst seit der Auflärung gilt Krieg als das Übel schlechthin. Dennoch scheinen seit einigen Jahren Anzahl und Intensität kriegerischer Konflikte wieder zuzunehmen. Ist Krieg also nach wie vor ein unvermeidlicher Bestandteil der internationalen Ordnung?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.06.2002

Mit diesem Essay ist Rezensent Gerd Krumeich ganz und gar nicht zufrieden, zumal er den Historiker Michael Howard für einen sehr "versierten Wissenschaftler und Lehrer" hält. Howard, der, wie Krumeich erklärt, gerade ein Buch über den Ersten Weltkrieg geschrieben hat und eher auf dem militärhistorischen Gebiet spezialisiert ist, hat diesen Essay dem Frieden gewidmet und dafür einen Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommen. Howard wendet sich gegen Rousseaus Vorstellung einer "urtümlichen Friedfertigkeit" und neigt eher zur pessimistischen Auffassung, Frieden sei lediglich die "Abwesenheit von Krieg", berichtet der Rezensent. Howard beabsichtige zu zeigen, dass die Idee eines anhaltenden Friedens, ein Frieden also, der mehr sei als nur "Abwesenheit von Krieg", sich erst allmählich entwickelt habe. Doch der Autor verläuft sich, meint Krumeich, er scheint "ohne Sinn und Ziel durch das Jahrhundert zu galoppieren" und gebe teilweise banale Antworten. Da sind die abschließenden Bemerkungen interessanter, so der Rezensent. Tatsächlich stelle sich die Frage, ob die Globalisierung nicht "zum Verlust des Nationalstolzes geführt" habe. Aber wie "tragfähig" ist diese Beobachtung? Krumeich hätte Howards Bemerkungen lieber zum Vortrag gebündelt gesehen. Als Buch, schreibt er, "kosten sie den Leser viel unnötige Zeit".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.09.2001

Rüdiger Suchsland stellt zwei neue Publikationen zur (europäischen) Kriegsgeschichte vor. Beide werden von ihm um so mehr gelobt, als er die Disziplin der Kriegswissenschaft in Deutschland zu unterbewertet sieht:
1.) Michael Howard: "Die Erfindung des Friedens. Über den Krieg und die Ordnung der Welt"
"Engagiert, mit klaren Thesen und Mut zur Parteinahme" versuche der britische Historiker Michael Howard die zweitausendjährige Kriegs-Geschichte Europas zu umreißen. Dabei stelle er die Frage nach den Realisierungschancen der historisch relativ jungen Friedens-Idee. Das Bild, das er in eleganter Sprache und Denkstil von der Gegenwart zeichne, sei geprägt von der Ambivalenz zwischen der Vorstellung einer transnationalen Gemeinschaft mit gemeinsamem Wertesystem einerseits und der 'Privatisierung' kriegerischer Auseinandersetzungen andererseits. Nur bei der Einschätzung des Jahres 1989 hätte sich der Rezensent mehr "Abwägung und die Analyse von Alternativen" gewünscht.
2.) Michael Ignatieff: "Virtueller Krieg. Kosovo und die Folgen"
Wie eine Ergänzung zu Howards Buch liest sich laut Suchsland die Studie von Michael Ignatieff über den Kosovo-Konflikt und seine Folgen. Der Rezensent ist ganz emphatisch: Das Buch von Ignatieff sei an Detailreichtum und perspektivischer Vielfalt mit keiner bisherigen Publikation zu diesem Thema im deutschen Sprachraum vergleichbar. Sein Vorzug sei, journalistische Reportage mit der "Analyse des philosophisch geschulten Historikers" zu vereinen. Über Techniken, Praxis und Alltagswirklichkeit des modernen Krieges erfahre man - oft aus der Sicht von Beteiligten - sehr viel, desgleichen über die Voraussetzungen von Politik in dieser Region überhaupt. Die Untersuchung des Autors steht nach Suchsland dabei unter der Perspektive seiner Rede vom "virtuellen" Krieg, dessen Phänomen und Bedeutungsaspekte Ignatieff vermesse.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.08.2001

Eine Kriegsgeschichte vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart auf knapp einhundert Seiten abzufassen - und das ohne eine Fußnote - das fordert zu Kritik und Korrekturen heraus, schreibt Herfried Münkler. Michael Howard muss es vorher gewusst haben, denn der Rezensent zählt den Autor zu den besten Kennern der europäischen Militärgeschichte. Egal, meint auch Münkler, denn interessanter als eine Enzyklopädie des Krieges findet er Howards These von der Normalität des Krieges und der Erfindung des Friedens, die er in vier Abschnitten überprüft. Münkler stimmt dem Autor schon zu, dass die Forderung nach dauerhaftem Frieden ein Kind des Bürgertums ist, das die Schäden des Krieges für die Ökonomie klar erkannt hatte. Doch bedauert der Rezensent, dass Howard zwar der Erfindung des Friedens, aber wenig den Möglichkeiten von dessen Umsetzung Raum gibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2001

Die Stärke des Bandes scheint für Wolfgang Sofsky vor allem darin zu liegen, dass der Autor deutlich die "historischen Wiederholungen" aufzeigt. Denn in Howards kurzer Geschichte über Krieg und Frieden, die einen Zeitraum von 1200 Jahren umfasst, wird nach Sofsky klar dargestellt, dass dauerhafter Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, da beispielsweise auf die "Abneigung der Menschen gegen den Krieg (...) nicht zu setzen ist", man auch zu früheren Zeiten schon davon ausgegangen ist, dass Völkerverbindung Krieg verhindern könne (was dann aber nicht so war), und dass sogar pure Langeweile ein Friedensrisiko ist. Daher scheint es Sofsky zu begrüßen, dass Howard "zu Recht auf die Grenzen der liberalen Friedensutopie" verweist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.06.2001

"Brillant" findet Rudolf Walther diesen Essay, mit dem der englische Historiker Michael Howard seine These ausführt, wie viel schwieriger und komplexer es sei, statt Kriege zu führen, Frieden herzustellen und einzuhalten. Nach einem langen Exkurs durch Mittelalter und Neuzeit, wo der Krieg lange Zeit als Normalfall galt, komme Howard auf die Versuche einer weltweiten Friedensordnung nach den beiden Weltkriegen zu sprechen, berichtet Walther. Kalter Krieg und atomare Aufrüstung hätten dem für Howard ebenso im Wege gestanden wie heutzutage die Globalisierung des Weltmarkts, die heimlich die staatliche Souveränität demokratischer Länder untergrabe. Howard bietet kein Patentrezept an, resümiert Walther. Er sondiere vielmehr die Möglichkeit einer Friedensordnung jenseits so naiver und "gefährlicher" Vorstellungen von einem einzigen Weltstaat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2001

Andreas Platthaus stellt fest, dass es in diesem Band zum Thema Frieden vor allem um Krieg geht, was seiner Ansicht nach nicht nur daran liegt, dass der Autor Militärhistoriker ist, sondern auch argumentativ verständlich ist. Denn Krieg ist nach Howard immer auch mit der Hoffnung auf Frieden verbunden und seine Rechtfertigung gewesen. Platthaus wagt die Prognose, dass Howard mit so mancher seiner Thesen auf wenig Beifall stoßen wird, etwa dort, wo er die Meinung vertritt, dass Frieden oftmals mehr "aus Neid denn aus Widerstand gegen das Schlachten" entstanden ist. Demnach war gerade das Bürgertum an Frieden vor allem aus dem Grund interessiert, weil Krieg Wohlstand und Besitz gefährdete. Insgesamt zeigt sich Platthaus besonders deshalb von dieser Studie angetan, weil Howard sehr gelungene "schlaglichtartige Betrachtungen" etwa zu Napoleon, Hitler oder auch Philosophen wie Kant in seine Überlegungen eingefügt habe, womit sich der Autor von "materialistischen Historiographen" unterscheide.
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