Mit einer Razzia begann der unfassbare Leidensweg der wohl ältesten christlichen Nation am 24. April 1915. Nach Einschätzung moderner Historiker fielen dem Armenozid rund 1,5 Millionen Menschen zum Opfer. Unter dem Vorwand einer angeblichen Verschwörung der Armenier gegen das Osmanische Reich setzte die Regierung der Jungtürken mit ungeheurer Grausamkeit ihre "Vision" eines rein muslimischen Staates in die Tat um. Der gegenwärtige türkische Staat leugnet diesen Genozid bis zum heutigen Tag, spricht allenfalls von einem "bedauerlichen Massaker". Doch die Dokumentation der Ereignisse, erstmals unter Verwendung bislang unveröffentlichter Quellen aus dem päpstlichen Geheimarchiv, belegt auf erschütternde Weise dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2015
Für Edward Kanterian handelt es sich bei Michael Hesemanns Buch um den eher seltenen Fall einer gut lesbaren deutschsprachigen Gesamtdarstellung zum Völkermord an den Armeniern durch die Türken vor hundert Jahren. Darüber hinaus geht der Autor auch auf weitere Verbrechen an den Armeniern ein, wie Kanterian mit Genugtuung feststellt, nämlich auf diejenigen unter unter Sultan Abdul Hamid II. und weniger bekannte unter Atatürk (1920/21). Um das Ausmaß des Genozids zu bezeugen, hat der Autor laut Rezensent im Vatikanischen Geheimarchiv Hunderte von bislang unbekannten Dokumenten durchforstet. So erfährt Kanterian, dass der Papst zwar Bescheid wusste, seine Rettungsversuche jedoch letztlich erfolglos blieben.
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