Michael Degen

Blondi

Roman
Cover: Blondi
Claassen Verlag, München 2002
ISBN 9783546003155
Gebunden, 404 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

"Wir leben ewig", heißt der Beginn eines jüdischen Liedes. Gilt das auch für Blondi? Sie ist jung, klug, bildschön und mutig. Mit ihren ungewöhnlichen Talenten gelingt es ihr, die Liebe Adolf Hitlers zu gewinnen. Denn auch vom Aussehen her ist sie, die blonde Schäferhündin, ganz der Typ des Diktators. Nur selten weicht sie von seiner Seite, ist bei vielen wichtigen Lagebesprechungen dabei, genießt sein absolutes Vertrauen. Doch wer ist Blondi wirklich? Was niemand, auch ihr Onkel Adolf nicht, ahnt: Sie versteht die Menschen Wort für Wort, denn in all ihren bisherigen Daseinsformen hatte sie eine menschliche Gestalt - eine Gestalt, in der sie die vielen wechselvollen Stationen ihres Volkes durchlebte, bis sie zuletzt als Jüdin aus Osteuropa ums Leben kam. Jetzt, ins Hundefell gezwängt, nimmt sie mit einem Tier- und einem Menschenauge wahr, was um sie herum passiert ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2003

Peinlich und nervenzehrend findet der Rezensent Thomas Rietzschel Michael Degens Roman über Hitler und seinen engeren Kreis, erzählt ausgerechnet aus der Perspektive von Hitlers Schäferhundin Blondi. Er kommentiert lakonisch: "Nichts, an das sich der Ich-Erzähler, die Hündin mit dem menschlichen Verstand, nicht heranwagte." Blondi wird in ihrem letzten Leben vor dem Hundeleben ausgerechnet in der Gaskammer von Auschwitz umgebracht. Die explizite Darstellung dieses Sterbens geht dem Rezensenten zu weit: "Hier, spürt man, rührt die bildliche Vorstellung an ein Tabu, das keine Verletzung duldet" Bei diesem Tabubruch macht es für Rietzschel auch keinen Unterschied, dass der Autor aus der Opferperspektive spricht. "Auch die Verbitterung, der Schmerz als Antrieb vermag daran nichts zu ändern." Vor diesem Hintergrund funktionieren auch die satirischen Elemente des Buches nicht. Die Darstellung der Banalität des Bösen, die ein wichtiges Element dieser Erzählung ist, läuft in diesem Zusammenhang nach Meinung des Rezensenten ins Leere: "Die Verquickung des Komischen mit dem Tragischen funktioniert nicht", so sein durchweg negatives Fazit.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

Aus der Perspektive einer "nach Auschwitz Deportierten", die zum Schäferhund namens Blondi mutiert und an der Seite von "Onkel Adolf" den Krieg im Zentrum der Macht erlebt, hat der Schauspieler und Romanautor dieses Buch komponiert, so Günter Kunert. Er rezensiert es mit Wärme - und Vorsicht. Kunert findet Anklänge an "jiddische Literatur", wenn er den "Ton des Erzählens" dem gesprochenen Wort verpflichtet sieht. Und er empfindet: "Was Degen als jüdischen Erzähler ausweist, ist sein Hadern mit Gott", und stellt den Autor damit doch auch ein klein wenig ins Abseits. Kunert scheint nicht recht zugeben zu können, dass die "bittere, erbitterte Sicht auf die irdische Population" aus der Perspektive Blondis ihn auch erschreckt hat und spricht lieber davon, dass Degen seine Geschichte "nahezu bühnengerecht" inszeniert habe. Der "Rassenwahn", den der Rezensent als Thema des Autors ausmacht, erscheint ihm gewissermaßen "auf den Hund" gebracht, aber darin dann "in dieser Verblendung überdeutlich, demonstriert an einem Menschentier, das schließlich mit den vertierten Menschen" zusammen untergeht. Alles in allem ein etwas hilflos wirkendes Lob.