Michael Chabon

Junge Werwölfe

Erzählungen
Cover: Junge Werwölfe
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2003
ISBN 9783462033076
Gebunden, 252 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer. Stewart O'Nan Timothy Stokes, ein elfjähriger Schüler, beißt eine Mitschülerin in den Hals, denn er ist sicher, ein Werwolf zu sein. Sein einziger Freund Paul, der Ameisen liebt und mit ihnen experimentiert, besitzt zwar ein Gegenmittel, doch will er eigentlich nicht mit Timothy in Verbindung gebracht werden, der von der Schule zu fliegen droht. Viel wichtiger ist ihm, dass seine Eltern wieder zusammenfinden. Und so ruft er seinen Vater an und gibt vor, selbst die Schulkameradin gebissen zu haben...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2004

Mit diesem Erzählband sieht Uwe Pralle den amerikanischen Autor Michael Chabon endgültig zum "Feindiagnostiker von Gefühlslagen" im Ehe- und Familienalltag avanciert. In den Erzählungen geht es stets um bereits gescheiterte oder im Scheitern begriffene Beziehungen in der weißen amerikanischen Mittelschicht, stellt der Rezensent fest. Dabei sieht er den besonderen Kniff des Autors darin, dass er in seinen Prosatexten eine "Kunst des Scheiterns" entwickele, die sich der "amerikanischen Attitüde", nur den Erfolg anzuerkennen, entgegenstelle. Indem Chabon die "stillen Reserven an Widerstandskraft" aufzeigt, die die unglücklichen und glücklosen Protagonisten in den Geschichten am Ende doch noch mobilisieren, demonstriert der Autor auch das "Produktive, geradezu unverzichtbar Nützliche am Scheitern", so Pralle eingenommen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.12.2003

Nicht ohne Sympathie beschreibt Karsten Kredel die Helden in Michael Chabons Kurzgeschichtenband "Junge Werwölfe". Es ist zumeist junge Männer, "eben noch Jungs, jetzt schon gescheiterte Familienväter", "überzivilisierte" Gestalten, die nicht zu wissen scheinen, "wozu sie auf der Welt sind". Chabon fängt sie ein, so Kredel, wenn sich die Krise - meistens sind es wohl Ehekrisen - manifestiert und sie unvermittelt an der Schwelle zur Selbsterkenntnis stehen. Kredel haben die Geschichten wohl gefallen. Er lobt die elegante Prosa des Pulitzerpreisträgers Chabon. Manchmal allerdings ist sie ihm zu elegant. Dann stehen die "smarten sprachlichen Bilder ? in der "Befindlichkeitslandschaft herum wie Fremdkörper".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2003

Ingeborg Harms hat bei Michael Chabons Geschichten den "epischen Atem Walt Whitmans" gespürt und in seinen Figuren den Geist der "sturen, eigenbrötlerischen" Pioniere des Landes erkannt, durch das sie mitsamt ihrer seelischen Verletzungen und ihrem Versagen in der Liebe stolpern. Aber, und das hat Harms Genuss bereitet: Sie geben nicht auf - "unter dem Schutt ihrer Verlierergeschichten glimmt ein vitaler Funke", an dem sich schließlich etwas Unerhörtes entzündet, irgendein absurder Entschluss vielleicht. Denn das Happy End, weiß Harms, kann nur durch "Übertretungen des eigenen Regelkanons" erreicht werden. Auf dem Weg dahin gibt es "kühne Metaphern, verblüffende Wendepunkte und eine so sorgfältige wie ökonomische Konstruktion" zu bewundern und alles in allem einen Erzähler "in der Tradition der großen Novellisten".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003

In diesem Band mit Erzählungen kann Jutta Person so richtig schwelgen. Michael Chabons Geschichten sind eine hinreißende Mischung aus "amerikanischen Untoten, Alltagstristesse und einem Schuss schwarzer Romantik", schwärmt die Rezensentin. Sie beschreibt die Protagonisten der Erzählungen als durchweg "sportliche Verlierer", der Ort ihrer grausigen Erfahrungen sei die amerikanische Normalität der Mittelschicht. Person ist vom überbordenden "gewissermaßen furunkelnden Sprachwitz" des Autors genauso begeistert wie von den dem Schauerroman entliehenen Motiven. Sie preist den amerikanischen Autor, der für einen Roman vor zwei Jahren den Pulitzer Preis erhielt, auch in der kleinen Form als "Meister".
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