David Foster Wallace

Vergessenheit

Stories
Cover: Vergessenheit
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2008
ISBN 9783462039740
Gebunden, 222 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach und Marcus Ingendaay. In diesem neuen Erzählungsband nimmt der Autor einmal mehr die Deformationen der menschlichen Seele durch das Informationszeitalter aufs Korn. Egal, ob er von den Folgen einer missglückten Schönheitsoperation erzählt oder, wie in der Titelgeschichte, vom verzweifelten Versuch eines Ehepaares, mithilfe eines Schlaflabors zu ermitteln, wer durch sein penetrantes Schnarchen wann wen vom wohlverdienten Schlaf abhält, David Foster Wallaces Prosa ist immer auf den Punkt zugespitzt. "TV der Leiden", der dritten Geschichte dieses Bandes, ist eine Parabel über Abfallprodukte im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Künstler, der seine Ausscheidungen zur Kunst erhebt, ein Redakteur, der eine große Story wittert, und ein Magazin, das um seine Marktanteile fürchtet und die Geschichte zielgruppengerecht aufgearbeitet sehen will, all diese Ingredienzen verknüpft David Foster Wallace zu einem haarsträubenden Generalangriff auf die Schwachpunkte und Abgründe der Informationsgesellschaft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2008

Großen Eindruck und Lust auf noch mehr hat dieser Erzählband bei Rezensentin Maja Rettig hinterlassen. David Foster Wallace, der sich vor wenigen Wochen 46-jährig das Leben nahm, fasziniert sie in den drei Erzählungen dieses Bandes durch die Mehrbödigkeit der Ebenen ebenso wie durch gedankliche Schärfe und "maximale Anschaulichkeit". Auch das virtuose Drehen Wallaces an den Erzählscharnieren begeistert die Rezensentin sehr, sei es in der in einem Schlaflabor angesiedelten Titelgeschichte, oder mit der in der Erzählung "TV der Leiden" aufgeworfenen Frage, ob Scheiße Kunst sein kann. Einen Rüffel bekommt nur der Verlag, der die 2004 ursprünglich in einem Band unter dem Titel "Oblivion" erschienenen Erzählungen auf zwei Editionen verteilte, weshalb sie den 2006 erschienenen Band "In alter Vertrautheit" hier auch noch einmal dringend empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.08.2008

Die zahllosen Lobeshymnen auf David Foster Wallace haben Rezensent Christoph Haas etwas skeptisch gestimmt. Aber die Lektüre des neuen Erzählungsbands "Vergessenheit" hat ihn bekehrt. Er kann nicht anders und gibt allen Kritikern recht, die den Autor in den Himmel loben. Auch ihn haben die drei Stories des vorliegenden Bands begeistert. Einfach "brillant" findet er die erste Geschichte "Der Spiegel der Natur - Eine Kritik der Philosophie", in der ein junger Mann mit seiner von missglückten Schönheitsoperationen entstellten Mutter zum Anwalt fährt. Die beiden anderen Geschichten, "Vergessenheit" und "TV der Leiden", fallen in seinen Augen dagegen etwas schwächer aus, sind aber immer noch großartig. Besonders hebt er die Fähigkeit von Wallace hervor, mit wenigen Strichen höchst treffend Milieus und die Neurosen, die in ihnen blühen, zu skizzieren. "Vom alltäglichen Wahnwitz", resümiert der Rezensent, "weiß dieser Autor jedenfalls auf ebenso komische wie schauerliche Weise zu erzählen."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.07.2008

Kurze Geschichten, große Literatur - so in etwa lässt sich der Leseeindruck von Rezensent Eberhard Falcke zusammenfassen, den diese "Stories" als "Psychopathologien des hyperaufgeklärten Menschen" begeistert haben. Bei dieser Edition handelt es sich um drei Erzählungen, die 2004 unter dem Titel "Oblivion" im Original erschienen seien und von denen bereits im vergangenen Jahr sechs Erzählungen unter dem Titel "In alter Vertrautheit" auf Deutsch erschienen seien. Schon die Titelgeschichte des vorliegenden Bandes zeigte Falcke "wie nahe wir dem Durchdrehen auf höchstem Reflexionsniveau sind".