Aus dem Amerikanischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel. Junge Amerikaner, die sich in ihrem Vaterland alles andere als zu Hause fühlen, bevölkern die Geschichten in Dave Eggers' Erzählungsband. Sie reisen durch die Welt, erfahrungshungrig, sehnsüchtig, voller Lebensgier und Melancholie. So wie Pilar, die ihren Highschool-Freund Hand besucht, der in Nicaragua für Intel arbeitet (auch wenn Pilar keine Ahnung hat, welche Kenntnisse Hand besitzt, die Intel nützen könnten), sie aber zu Surf-Ferien in Costa Rica überredet. Eine Liebesgeschichte, die in Freundschaft beginnt und ohne Liebe endet. Oder wie Rita, die allein den Kilimandscharo besteigt, weil ihre Schwester schneller als geplant schwanger wurde und die Reise nicht antreten konnte. Oder ein Mann, der alleine nach Ägypten fliegt, auch wenn Terroristen ein paar Wochen zuvor an gleicher Stelle siebzig Touristen umgebracht haben. Wütend über die Außenpolitik seiner Regierung, ergreifen ihn Schamgefühle angesichts seiner eigenen Angst vor seinem arabischen Fremdenführer.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2005
Dave Eggers ist mehr als ein Kultautor, behauptet der Rezensent Uwe Pralle nachdem er den Erzählband "Wie hungrig wir sind" zur Seite gelegt hat. Denn der Kurzlebigkeit, die mit dem Kultstatus in Verbindung gebracht wird, ist Eggers eindeutig entwachsen. Komisch und unheimlich sind seine Erzählungen, von denen einige so knapp sind, dass sie eher wie "narrative Atomkerne" wirken. Nicht nur aufgrund der Rätselhaftigkeit seiner Stücke zögert der Rezensent nicht, Eggers sogar in die Nähe von Kafka zu rücken. Besonders die Erzählung "Noch eine", die einen freudlosen amerikanischen Touristen in Ägypten in Szene setzt, der als er einem Einheimischen zu den Pyramiden folgt, das Gefühl hat, sich dem Tod anzubiedern, hat es Pralle angetan: Sie sei einerseits "an Komik kaum zu überbieten" und ende andererseits auf seltsam vage Weise. Auch in anderen Erzählungen, so der Rezensent, finden sich Amerikaner wieder, die wie wild die Welt bereisen. Überhaupt gehe es Eggers um die Rastlosigkeit unserer Zeit und die das ungezügelte Verlangen, "mehr als nur ein einziges Leben zu wollen", Eggers' "Erzählungen aus einer nervösen Zeit", so das Fazit des begeisterten Rezensenten, sind einfach "stark".
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