Michael Braun

Der zertrümmerte Orpheus

Über Dichtung
Cover: Der zertrümmerte Orpheus
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2002
ISBN 9783884231975
Gebunden, 64 Seiten, 13,50 EUR

Klappentext

In seiner berühmten Schrift Defence of Poetry erklärte einst der romantische Poet Percy Bysshe Shelley die Dichter zu den "unerkannten Gesetzgebern der Welt". So viel Vertrauen in die weltschaffende Kraft der Poesie und so viel Mut zur Selbsterhöhung vermag die Lyrik heute nicht mehr aufzubringen. Michael Braun hat sich unter den Nachgeborenen der alten "Dichterkönige" umgesehen und neue Gesetzgeber der Sprache entdeckt. In seinen Essays stößt er auf überraschende Konstellationen: auf die alte Verbindung von Poesie und Religion und die neu erwachte Sehnsucht nach der Antike. In der Prosa ist es einzig die Literatur des Verhängnisses und des existentiellen Ausnahmezustands, die für ihn noch Geltung besitzt. Die mürbe gewordene Subjektivität der sogenannten Pop-Literaten wird dagegen als "neuer Infantilismus" verabschiedet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.05.2003

Gewicht, stellt Sibylle Cramer zu Beginn fest, haben Michael Brauns literaturkritischen Arbeiten zwar immer, doch diesmal mag sie den Ausführungen ihres Kritikerkollegen offensichtlich nicht folgen. In seinen Essays zur Gegenwartslyrik, erklärt Cramer, erkennt Braun eine massive Rückkehr religiöser Motive" und antiker Mythologie - bei Michael Krüger, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein, Raoul Schrott und Albert Ostermeier, aber auch bei Oswald Egger und Christian Lehnert. Zwar lässt Braun in seinen Texten durchaus das "geschulte Ohr des Versspezialisten" erkennen, meint Cramer, doch seine Personalpolitik findet sie nicht wirklich stichhaltig. In der Summe ergeben seine Einzelbeobachtungen ein unscharfes Stimmungsbild, bemängelt die Rezensentin. Vor allem aber wirft sie Braun genau jene Selbstgenügsamkeit, Theorieabstinenz und Deutungsunsicherheit, die er einst selbst beklagt hatte.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2002

Der mit "arm" zeichnende Rezensent bespricht einen Sammelband des Literaturkritikers Michael Braun. Der Untertitel verbinde die verschiedenen Artikel, besonders die Betrachtungen zu Jandl, Handke, Steffens und anderen und macht nach Ansicht des Rezensenten auch deutlich, dass in jedem Literaturverständnis immer auch ein Selbstverständnis enthalten sei. Dies erläutert er anhand des Genesis-Motivs, das häufig genug Dichtung und Religion gleichsetze. Bedauerlicherweise kommt diese Rezension allerdings nicht über eine kurze Aufzählung einzelner Punkte verschiedener Autoren hinaus, so dass der Leser über den Sammelband an sich leider nicht viel erfährt.
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Stichwörter