Pop seit 1964

Cover: Pop seit 1964
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2007
ISBN 9783462036954
Kartoniert, 411 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Kerstin Gleba und Eckhard Schumacher. Zum Wesen des Pop gehört, dass er kommt und geht, sich der Festlegung entzieht. Nichts ist falscher daher als die Einschätzung, Pop bzw. Pop-Literatur sei 2001 endgültig gestorben. Oder schon Ende der 1960er-Jahre. Totgesagte leben länger, wie ein Blick in dieses Buch zeigt. Um was geht's? Um Gegenwart, Nachtleben, Musik, Wut und Klatsch, um Provokation, Widerspruch und Affirmation, um Flüchtigkeit, Wirklichkeit und Wahrheit, um Klarheit, Rausch und Drogen, darum, das Erreichte immer wieder zu zerschlagen, immer wieder neu anzufangen. Die Anthologie enthält essayistische, journalistische und erzählende Texte, darunter Pop-Klassiker genauso wie kaum bekannte Fundstücke. Aufgeteilt in drei historische Kapitel: 1964-1972, 1982-1989 und 1990-2004, erscheinen die Texte in chronologischer Reihenfolge, wodurch sich immer wieder überraschende Querverbindungen ergeben, die Ähnlichkeiten und Differenzen erkennbar werden lassen. Eingeleitet werden die Kapitel mit Hinweisen der Herausgeber zum jeweiligen historischen und literarischen Kontext. Den Abschluss des Bandes bildet das bislang unveröffentlichte Protokoll eines Gespräches über "Pop", das die Herausgeber im Oktober 2006 mit Thomas Meinecke und Benjamin v. Stuckrad-Barre führten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2007

Dieser Band bietet Erkenntnisgewinn, verspricht der Rezensent Richard Kämmerlings. Nicht dass man hinterher definieren kann, was Pop nun eigentlich ist. "Aber man weiß es genauer nicht." Vor allem in der historischen Tiefendimension. Denn wer auf die Anfänge der Popliteratur blickt, bekommt durchaus auch Unerwartetes in den Blick, den jungen Handke etwa, der als aufmüpfiger Wilder seine Karriere begann. Drei Phasen setzen die Herausgeber Kerstin Gleba und Eckhard Schumacher an, von 1964 bis 1972, von 1982 bis 1989 und von 1990 bis 2004. In den Tendenzen zur Affirmation neuer, vor allem visueller Medien (von Comic bis Fernsehen), der Beschäftigung mit den Banalitäten alltäglicher Lebenswirklichkeit lässt sich das sonst heftig auseinanderdriftende Feld der Popliteratur bis heute, so Kämmerlings, als einheitliches begreifen. Ausdrücklich gelobt werden die Überblick verschaffenden Kommentare der Herausgeber. Auch gegen die Pop-Anmutung der Buchgestaltung hat der sowieso rundum zufriedene Rezensent nichts einzuwenden.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.04.2007

Weder gegen die Auswahl des Bandes als solche noch gegen die erläuternden und einordnenden Begleittexte der Herausgeber hat die Rezensentin Christine Rösinger viel einzuwenden. Dass hier Warhol eher als Kerouac zur Inspirationsfigur bestimmt wird, leuchtet ihr ein, die historische Perspektive zurück auf Zeiten, in denen Peter Handke noch Pop war, findet sie interessant. Die Texte selbst aber, das hier gebündelt auftretenden Phänomen "deutsche Popliteratur", die gehen ihr zum Teil - aber offenbar nicht erst jetzt - gehörig auf die Nerven. Das Problem: "Wichtigtuerei im ewigen Erste-Person-Singular-Präsens", gegenseitiges Reihumzitieren und auf die Dauer wenig Originalität. Benjamin von Stuckrad-Barre und auch Rainald Goetz nimmt Rösinger von ihrer Kritik ausdrücklich aus. Daran, dass ihr dieser Band ziemlich schlechte Laune gemacht hat, ändert das aber wenig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2007

Was "Pop" eigentlich ist, das kann auch dieser Sammelband nicht beantworten, aber das strebt er laut Ina Hartwig auch gar nicht an. Wenn sie sich auch ein bisschen über die akademische Einleitung der beiden Herausgeber lustig macht, die wissenschaftlich exakt, mit Fußnotenapparat daherkommen und sich dabei eben so überhaupt nicht dem Gegenstand ihres Buches annähern, muss sie dennoch zugeben, dass die Anmerkungen sehr nützlich sind. Zwar werden viele Fragen, die der Rezensentin wichtig gewesen wären, wie beispielsweise der Zusammenhang zwischen der 68er Revolte und Pop, in diesem Buch nicht gestellt und auch viele Autorennamen wie Marlene Streeruwitz oder Bernd Cailloux tauchen nicht auf, moniert Hartwig. Dafür aber lobt sie den Band als anregend, weil er besagte Fragen ja provoziert, wie sie verhalten lobt. Nur die gegenwärtigen Vertreter der Pop-Literatur wie Benjamin von Stuckrad-Barre oder Moritz von Uslar, die sich in diesem Buch wieder finden, findet die Rezensentin auf Dauer doch etwas arg bemüht, wie sie kritisiert.
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