Tomas Espedal

Lust

Früchte einer Arbeit - Lesefrüchte
Cover: Lust
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751810142
Gebunden, 319 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Wie wird man ein Schriftsteller? Ist es möglich, das Schreiben zum Beruf zu machen? Kann man davon leben? Und was für ein Leben wird das sein? In seinem jüngsten Buch Lust verbindet Tomas Espedal Autobiografie und Bildungsroman und geht dieser Frage nach vierzig Jahren des Schreiben nach. Dabei verwebt er Leben und Literatur miteinander. Der Doppeldeutigkeit des Titels wird er dabei auf mehr als eine Weise gerecht: "Lust" ist ein Roman über das Lesen und das Schreiben. Über das Vergessen und das Erinnern. Über Reisen und Liebesaffären. Über die Bedeutung des Ortes für das Schreiben. Über Städte. Über Kopenhagen und das Leben der Schriftsteller. Über die Suche nach den idealen Schreiborten und Arbeitszeiten. Über das Schreiben in der Nacht. Über das Schreiben mit der Hand. Über Freundschaften. Und nicht zuletzt über Geld und gute und schlechte Wirtschaft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2025

Rezensent Karl-Markus Gauss bekommt mit Tomas Espedals neuem Buch eine andere Autofiktion als die eines Knausgard. Espedal punktet für ihn weniger durch Schamlosigkeit als mit einer Subjektivität, die laut Gauss exemplarisch ist. Wie einer zum Schriftsteller wird, erzählt ihm der Autor entlang der eigenen Entwicklung, eigener Erlebnisse, Lektüren und Bekanntschaften. Espedals Geschichte entpuppt sich dabei als Revolte gegen das Bergener Spießertum, dem der selbst bürgerlich aufgewachsene Autor immer wieder mit Macht und Wucht entsagt, erklärt Gauss. Neben dieser Wucht hat der Band aber auch zarte und warmherzige Passagen, etwa in der Erinnerung an Kollegen, verspricht Gauss.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 12.04.2025

"Im Rhythmus des Zuges" notiert der Erzähler von Tomas Espedals neuem Buch seine Beobachtungen, die zwischen Lebenslust und Todessehnsucht schwanken, hält Rezensent Nico Bleutge fest, der davon liest, wie Espedal zum Schriftsteller geworden ist. Zum Teil sind ihm die Erinnerungen des "sensiblen Jugendlichen", seine Thomas-Mann-Lektüren, sein Studium in Kopenhagen, schon aus früheren Büchern des Autors bekannt. Aber verbunden mit soziologischen Analysen des Norwegens der 1980er Jahre ensteht ein spannendes biografisch-gesellschaftliches Doppelporträt, lobt er. Die Sätze sind für Bleutge rauschhaft-intensiv, kongenial übertragen von Hinrich Schmidt-Henkel, so dass die Erlebniswelt Espedal "pocht und glitzert".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.04.2025

Rezensent Steffen Herrmann lässt sich mit Freude anstecken an jenem Rausch, von dem Tomas Espedal in "Lust" mit Lust erzählt. Noch einmal widmet er sich darin seiner eigenen Geschichte, diesmal jedoch mit Fokus auf ein "Ich, das nicht ich selbst war", wie er es ausdrückt, ein Alter Ego also, zu dem er sich erst  hinschreiben und hinleben musste, so Herrmann. In einer melodischen, assoziationsreichen Sprache erzählt Espedal vom Aufwachsen dieses Ichs, von den ersten Leseerfahrungen, und auch den späteren, von Vorbildern, vor allem aber von seinen Müttern - der leiblichen, wie der literarischen. Dabei nähert er sich der Form des klassischen Romans weiter an, als in seinen übrigen Büchern, lesen wir. Diese Schreibarbeit, die Konstruktion einer Schriftsteller-Biografie ist für ihn auch eine Arbeit gegen das Vergessen, welches sich, wie der Autor selbst erzählt, kaum merklich "angeschlichen" hat, und gegen das nur eines hilft: Weiterschreiben, Weiterlesen, so der angeregte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.03.2025

Rezensentin Angela Gutzeit kann die literarische Qualität von Tomas Espedals autobiografischer Selbsterzählung anerkennen, eine leichte Genervtheit allerdings nicht ganz verbergen. Mit seiner eigensinnigen Mischung aus kritisch betrachteten Erinnerungen, Berichten und Reflexionen gelinge es Espedal, seinen langen Weg zur eigenen Sprache, zur Literatur und zum eigenen Künstler-Ich, emotional nachvollziehbar zu machen - ein Weg, der, wie Gutzeit beschreibt, einer alkoholisierten Fahrt auf einer ruinösen Achterbahn gleicht. "Nicht ohne Reiz" seien auch einige von Espedals psychoanalytischen Betrachtungen über das Verhältnis zu seiner Mutter. Die Auseinandersetzung mit der Klassenherkunft allerdings sei inzwischen kein neues Sujet mehr, räumt die Rezensentin ein, Espedals oft erwähnte Nähe zum Tod, nennt Gutzeit subtil "behauptet", und das Künstlerideal, das Espedal hier deutlich vertritt, beschreibt sie als "nicht immer frei von eitler Selbststilisierung." Ein gutes Buch, so könnte man schlussfolgern, aber nicht jedermanns oder -fraus Geschmack.  

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.03.2025

Vom "kaum einmal innehaltenden Erinnerungsstrom" Tomas Espedals lässt sich Rezensent Richard Kämmerlings in dessen neuem Buch gerne mitreißen. Espedal geht in seinem autofiktionalen Roman zum einen auf seine Wurzeln als Arbeiterkind ein, zum anderen schildert er die Liebe und Freundschaft zu Robert, der mit ihm aufgewachsen ist und aus einer großbürgerlichen Familie stammt. Kämmerlings verfolgt gespannt den Ausbruch der beiden aus der engen Welt der Kindheit und Jugend ins großstädtische Kopenhagen, den mühsamen Weg zur ersten Romanveröffentlichung und die Reflexionen über das schwierige Verhältnis zu Espedals Mutter. Erinnerungen und "dunkle Highlights", wie die Schilderung des Alkoholismus seines Vaters, vermischen sich hier zu einem "Rausch aus Sprache", der den Kritiker beeindruckt zurücklässt.

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