Melitta Breznik

Mutter

Chronik eines Abschieds
Cover: Mutter
Luchterhand Literaturverlag, München 2020
ISBN 9783630875064
Gebunden, 160 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mit "Mutter" legt Melitta Breznik ein intensives Kammerspiel vor, der langsame Abschied von der Mutter. Als Tochter, Pflegerin und Ärztin, die ihre Mutter in den letzten Monaten beim Sterben begleitet, schildert die Autorin mit genauem Blick die Veränderungen, die von den beiden Frauen Besitz ergreifen. Es gibt Momente der Verbundenheit, der Trauer, des Lichts, Kleinigkeiten erstrahlen in schlichter Schönheit in diesen letzten Tagen. Eine Familiengeschichte wird erzählt, bis zurück zu den beiden Kriegen. Fragen nach Schuld und Vergebung tauchen auf und nach dem, was bleibt, wenn jemand stirbt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 02.07.2020

Rezensent Martin Krumbholz kennt das literarische Debüt der Autorin, das den Abschied vom Vater thematisierte ("Nachtdienst"), und vergleicht es mit dem neuen Buch, in dem das Sterben ihrer 91-jährigen Mutter beschrieben ist. Die Unterschiedlichkeit der Beziehungen zu den beiden "Portalfiguren" der Autorin zeigt sich dem Rezensenten auch in ihrer Sprache: Beim Vater ging es nüchtern und kühl zu, die Emotion der Tochter war für den Kritiker erst über die lange Strecke erkennbar. Die Mutter aber ist ihr deutlich näher, meint er. Die Tochter zeigt deren Witz und Eigensinnigkeit - "Komm wir gehen heim sterben" -  durch einen gewissen "lakonischen" Ton, der das persönliche Gefühl aber immer durchscheinen lässt, so Krumbholz. Dabei werde auch die konfliktreiche Geschichte von Mutter und Tochter nicht hinter falscher Harmonie versteckt. Auch die alltagspraktischen und medizinischen Schwierigkeiten einer Sterbebegleitung  werden nicht ausgelassen und sind, so der berührte und beeindruckte Rezensent, "auch für den Leser nicht immer einfach". Aber man versteht trotzdem: Hier liegt eine entschiedene Leseempfehlung vor.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2020

In Zeiten letzter Videobotschaften und Chats wird Rezensentin Andrea Köhler die Kostbarkeit gemeinsamer letzter Augenblicke besonders bewusst, wie sie Melitta Breznik in ihrem Buch schildert. Die als Chronik des Abschieds verhandelte Mutter-Tochter-Beziehung geht Köhler nahe, nicht nur wegen des geschilderten Kampfes der Mutter gegen den Krebs, den die Autorin und Ärztin Breznik begleitet, sondern vor allem auch wegen der im Buch aufscheinenden Konflikte, der "Gespenster der Vergangenheit" , einer erzwungenen Abtreibung. Dass der stilistische Balanceakt einer solchen Innenschau auf "nüchtern-melancholische" Weise gelingt, hält Köhler für bemerkenswert.

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