Maxim Harezki

Zwei Seelen

Roman
Cover: Zwei Seelen
Guggolz Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783945370018
Gebunden, 223 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Weißrussischen und mit einem Glossar von Norbert Randow, Gundula und Wladimir Tschepego. Nachworte von Martin Pollack und Andreas Tretner. Als kleiner Junge verliert Ihnat Abdsiralowitsch seine Mutter. Fortan wird der Sohn eines vermögenden Gutsbesitzers von einer Amme aufgezogen, die selbst einen Sohn hat, Wassil. Ihnat wächst zu einem melancholischen Mann heran, Wassil wird Schäfer. Während des Ersten Weltkriegs steigt Ihnat zum Kompaniechef auf, wird dann aber von der Front nach Moskau geschickt. Dort begegnet er seiner Amme wieder, und auch Wassil, der sich den Bolschewiken angeschlossen hat. Als ihm die Amme ein lange verschwiegenes Geheimnis offenbart, wird noch die letzte Gewissheit auf den Kopf gestellt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.12.2014

Im Original im Jahre 1919 erschienen, ist Maxim Harezkis Buch "Zwei Seelen" nun auch endlich auf Deutsch zu lesen, verkündet Rezensentin Judith Leister erfreut. Sie liest hier die Geschichte des jungen Weißrussen Ihnat, der als Sohn eines Gutsbesitzers geboren, nach der Ermordung der Mutter bei einer Amme aufwächst und im Ersten Weltkrieg die Wirren der Revolution und den Bürgerkrieg zwischen "Weißen" und "Roten" erlebt. Lobend vermerkt die Kritikerin, wie Harezki, selbst weißrussischer Patriot, nicht nur ein bisher meist übersehenes Kapitel der Geschichte schildert, sondern mit der Figur des Ihnat auch die widerstreitenden Bestrebungen innerhalb Weißrusslands schildert. Nicht zuletzt würdigt Leister die schmucklose Sprache, mit der Harezki vom untergegangenen dörflichen Leben erzählt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2014

Um Missverständnisse wie im Ukraine-Konflikt zu verhindern, könnte dieser Roman des Weißrussen Maxim Harezki aus dem Jahr 1919 helfen, meint Ingo Petz. Zwar hat der Rezensent mitunter Schwierigkeiten, sich die historischen Umstände um 1917/18 in Weißrussland zu vergegenwärtigen und dem Roman inhaltlich zu folgen, den Autor nennt er jedoch einen vorzüglichen Beobachter der damals virulenten Dynamiken zwischen Russland und der weißrussischen Nationalbewegung. Wenn der Text nach 40 Seiten Fahrt aufnimmt, staunt Petz zudem über Harezkis sprachliche Energie, vor allem in den Alltagsbeschreibungen. Auch wenn es ihm manchmal schwer fällt, die ideologischen Konflikte im Roman zu ergründen, findet er das Buch bedeutsam als Gelegenheit für den Leser, den Autor und einen bisher vernachlässigten und missverstandenen Kulturraum im Osten Europas kennenzulernen.