Der Verräter - gibt es einen Menschen, den wir mehr verachten? Er belügt
uns, er hintergeht uns, er missbraucht unser Vertrauen und erschüttert
so die moralischen Grundfesten unseres Zusammenlebens. Dennoch wird sein
Vergehen, das schon in den ältesten schriftlichen Dokumenten der
Menschheit auftaucht, weder in den Zehn Geboten noch in der Liste der
sogenannten Todsünden geächtet. Der Verräter empört und fasziniert uns
zugleich. Damit entpuppt er sich als eine der umstrittensten, aber auch
wirkmächtigsten Gestalten der Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2017
Oliver Pfohlmann dankt Mathias Schreiber für seinen erhellenden Essay. Was Snowden und Judas gemeinsam haben, kann ihm der Autor erklären, indem er das Faszinosum Verrat, seine psychischen Dispositionen und seine Semantik vorführt. Von wegen Loyalitäten zählen nichts mehr! Dem empörten Widerspruch des Autors kann sich Pfohlmann nur anschließen. Siehe der Verratsvorwurf gegen Netzpolitik.org oder Trumps ständiger Verratsvorwurf gegen sämtliche politischen Gegner. Schreiber durch die Kulturgeschichte des Verräters folgend, scheint dem Rezensenten allerdings, dass sich der Band zunehmend verzettelt. Und dass Schreiber Snowden für einen üblen Verräter hält, findet der Rezensent einfach nur ärgerlich.
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