Ré Soupault reiste 1950 nach Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, um sich einen Überblick über die Situation von Flüchtlingen und Vertriebenen zu verschaffen. Sie besuchte u.a. die Flüchtlingslager Friedland, Dachau und Geretsried und führte Gespräche mit den Verantwortlichen der Lager, mit Politikern und mit vielen Flüchtlingen und Vertriebenen. Sie beschreibt die erschütternden Zustände in Massenunterkünften, berichtet über neue Flüchtlingssiedlungen, schreibt über Verlust der Heimat und die Hoffnungen für einen Neuanfang.
Ré Soupaults Text ist von besonderer Klarheit, an Fakten orientiert und gleichzeitig ein bewegendes Zeit-Zeugnis einer Frau, die 1928 Deutschland verlassen hatte und danach nur noch für kurze Besuche dorthin zurückkehren wird. Ihre Fotografien schließen an ihr großes fotografische Werk aus den 1930/40 Jahren an. Ihr Text ist erschreckend aktuell im Vergleich zu den heutigen Reportagen über das Schicksal der Flüchtlinge aus Afrika und Syrien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.02.2017
Rezensent Hans-Peter Kunisch ist dankbar, dass Nachlassverwalter Manfred Metzner Ré Soupaults Reportage über "Westdeutschlands Vertriebenen- und Flüchtlingsproblem" aus dem Jahr 1950 nun zum ersten Mal herausgegeben hat. Die exzentrische Modemacherin, Fotografin und Essayistin erzählt hier mit beachtlicher Sachlichkeit von ihren Besuchen in Wohnlagern in Bayern, Schleswig-Holstein oder Niedersachsen, schildert die unterschiedliche Integration der einzelnen Volksgruppen und konzentriert sich insbesondere auf die verwahrlosten Kinder, die bettelnd und stehlend durch das Land zogen, informiert der Kritiker. Diese aufmerksame, präzise und überraschend aktuell erscheinende Reportage kann durchaus neben Hannah Arendts Essay "Wir Flüchtlinge" bestehen, lobt der Kritiker, der einen gewissen Mangel an "Anschaulichkeit" schnell verzeiht.
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