Martin Warnke

Zeitgenossenschaft

Zum Auschwitz-Prozess 1964
Cover: Zeitgenossenschaft
Diaphanes Verlag, Zürich 2014
ISBN 9783037347102
Kartoniert, 125 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Im Herbst 1963 begann in Frankfurt der Auschwitz-Prozess. Über einen Zeitraum von knapp zwei Monaten berichtete der junge Kunsthistoriker Martin Warnke aus der Phase der Beweisaufnahme für die Stuttgarter Zeitung. Seine Artikel werden hier erstmals zusammenhängend publiziert. Ein diese begleitendes Interview gibt nicht nur die Sicht eines Historikers auf ein politisch sowie sozial hoch bedeutendes Ereignis wieder, vielmehr situiert Warnke darin den Standpunkt des Wissenschaftlers strikt außerhalb des "Elfenbeinturms" und rückt kunst- und bildhistorische Fragestellungen in den Fokus, welche die etablierte Kunstgeschichtsschreibung der späten 1960er Jahre mit hoher Energie zu ignorieren versuchte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.11.2014

Arno Widmann interessiert sich für den Fokus in Martin Warnkes Berichten über den Auschwitz-Prozess aus dem Jahr 1964. Dass der Autor darin weniger der Frage nach individueller Schuld nachgeht, als Denk- und Sprachmuster dokumentiert und sich persönlicher Urteile enthält, scheint Widmann der richtig Weg zu sein. Die gleichfalls im Band enthaltenen Beiträge von Norbert Frei und den Herausgebern (im Gespräch mit Warnke über seine Arbeit als Kunsthistoriker) findet Widmann aufschlussreich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2014

Beeindruckt zeigt sich Peter Geimer von der Wiederveröffentlichung der Texte über den Frankfurter Auschwitz-Prozess, die der heutige Kunsthistoriker Martin Warnke seinerzeit für die "Stuttgarter Zeitung" geschrieben hat. Dass der Band in weiteren Texten an die Hintergründe des Prozesses erinnert, scheint ihm wichtig. Warnkes eigene Berichte aus dem Gericht findet Geimer schon wegen ihres lakonischen, sachlichen Tons bestechend und dadurch, dass der Autor aufs Psychologisieren verzichtet. Neben ihrer Bedeutung als historische Dokumente besitzen die Texte für Geimer noch einen weiteren Reiz. Durch den Vergleich mit Warnkes späterer Arbeit im Bereich der politischen Ikonografie, auf die die Erfahrung des Auschwitz-Prozesses laut Rezensent ihren Einfluss gehabt haben dürfte, erscheint der Band Geimer auch als Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte der Geisteswissenschaften.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.10.2014

Als 1964 neun Berichte vom Frankfurter Auschwitz-Prozess in der Stuttgarter Zeitung erschienen, lautete die Signatur "von einem Mitarbeiter". Längst ist bekannt, wer dieser Mitarbeiter war: kein Geringerer als der wegweisende Kunsthistoriker Martin Warnke, der damals, 27 Jahre alt und frisch promoviert, allerdings noch keine wissenschaftliche Veröffentlichung vorzuweisen hatte, berichtet Willibald Sauerländer. So fasziniert ist der Rezensent von dem Umstand, dass Warnkes publizistische Karriere mit diesen Gerichtsreportagen begann, dass er auf deren Inhalt nur am Rande eingeht - als "pathoslos" und "lakonisch" beschreibt er sie, was nicht zuletzt den Entstehungsbedingungen geschuldet sei, die keine Zeit ließen für Reflexion und Fazit. Vor allem aber interessiert Sauerländer, wie sich die Berichte in Warnkes Werk einordnen lassen und zum Verständnis seiner kunsthistorischen Ausrichtung beitragen.
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