Die letzten Tage
Roman

Jung und Jung Verlag, Salzburg 2025
ISBN
9783990274156
Gebunden, 272 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Ein Tatsachenroman über einen einzigartigen Fall österreichischer Zeitgeschichte. Eine Talöffnung in den Ostalpen, April 1945, die Tage des "Tausendjährigen Reiches" sind gezählt. Innerhalb kürzester Zeit ist es auf ein Nichts geschrumpft, und am Rand dieses Nichts steht die Rote Armee und wartet, bis die Schlacht um Wien entschieden ist. Wo alles längst zu spät ist, aber eben noch nicht alles vorbei, errichtet Kreisleiter Johann Braun sein höchstpersönliches Standgericht, ein privates Mordregime. Willkürlich werden Menschen abgeurteilt, mit denen er oder einer seiner Helfer eine Rechnung offen hat, "politisch Unzuverlässige", vermeintliche Deserteure, Angeschwärzte, Männer wie Frauen, Ältere und Jüngere, Leute, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Martin Prinz erzählt vom Ungeheuerlichen, nüchtern und den Tatsachen verpflichtet. Das ist möglich, weil den Mördern von damals wenig später der Prozess gemacht wurde. Weil das Monströse in penibler Kleinarbeit aufgearbeitet wurde. Und weil es zwei Menschen, die um ein Haar in das Geschehen verwickelt worden wären, der eine als Täter, der andere als Opfer, ein Leben lang keine Ruhe ließ.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 22.07.2025
Die Idee, ein grausames Verbrechen der Nazis in der spätesten Zeit zwar als "Roman" zu verpacken, aber im Grunde rein dokumentarisch aufzuarbeiten, hat Rezensent Jörg Magenau nicht wirklich überzeugt. Zwar versteht er die Intention, dem Geschehen nichts hinzufügen zu wollen, jede Ästhetisierung zu vermeiden - nur dokumentiert sind diese Taten aus Niederösterreich, die geschahen, "als die Rote Armee schon im Nachbardorf "stand, sowieso schon längst (Magenau weist auch ausdrücklich auf die im Netz abrufbare Diplomarbeit von Martin Zellhofer hin). Letztlich ist eine reine Aktenlektüre, so horribel die dargestellten Ereignisse sind, eben doch nur eine Aktenlektüre, also langweilig, so Magenau, auch wenn er einiges aus den Zeugen-und Täterbefragungen lernt, etwa wie unzuverlässig Erinnerungen sind. Trotzdem: den Vergleich etwa mit Peter Weiss' berühmter "Ermittlung", die ja ebenfalls auf Aktenmaterial beruht, hält Prinz' Roman für ihn nicht aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2025
Wo die kollektive Erinnerung versagt, heißt: wo die gemeinschaftliche Verdrängung allzu gut gelingt, war und ist es oft die Literatur, die das Vergessene wieder ins Bewusstsein bringt, also Erinnerungsarbeit leistet, schreibt Rezensentin Verena Mayer. Eine solche Erinnerungsarbeit sei auch Martin Prinz' Roman: Am Beispiel eines realen Ereignisses in einem realen Ort in den Ostalpen widmet er sich darin den immer noch wenig erforschten und dokumentierten 41 letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, in denen, weiß Mayer, mehr Menschen getötet wurden als in Österreich als in den Kriegsjahren davor. Doch geht es diesem Autor nicht nur darum, ein unfassbares Verbrechen fassbar zu machen, er klärt auch über die mangelhafte juristische Verfolgung und Aufarbeitung solcher Verbrechen auf. Der Duktus seiner Erzählung ist nüchtern und kühl, es ist die Sprache der Bürokratie, die Prinz hier "sprechen gehen lässt", wie Mayer es mit den Worten Elfriede Jelineks ausdrückt. Anfangs fällt es der Rezensentin daher nicht ganz leicht, zu folgen. Doch mit der Zeit entwickelt dieser behutsam konstruierte Roman einen ganz eigenen "Sog", versichert sie. Seite für Seite setzt sich ein umfassendes Bild der Täter und ihrer Taten zusammen und die Wahrheit wird zu Tage gefördert, so die Rezensentin.