Es gilt, aufzuräumen mit einer Legende, nämlich der seit grauer philologischer Vorzeit umlaufenden Annahme, dass die sittsamen Deutschen im 18. Jahrhundert kaum erotische oder gar pornographische Texte geschrieben hätten. Die Herz, Kopf und nicht zuletzt den Körper anregenden Bücher, die im Zeitalter der Aufklärung in deutschen Landen lustvoll gelesen worden sind, sind keineswegs ausschließlich Werke fremder Provenienz gewesen.
Tatsächlich lassen sich in der deutschen Literatur der Aufklärung rund 200 Erotica ermitteln, die bislang mehrheitlich gemieden worden sind von Germanisten, deren Berührungsängste bei diesem Segment der Belletristik traditionell beträchtlich sind.
Die im Anschluss an eine internationale Tagung am Forschungszentrum Gotha zu einem Buch gebündelten Beiträge räumen mit tradierten Irrtümern auf und spüren den Zusammenhängen zwischen Freizügigkeit und Freigeistigkeit nach.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2019
Rezensent Urs Hafner kann nicht viel anfangen mit diesem Buch über Pornografie in der Aufklärung, das der Germanist Dirk Sangmeister mit einem 230 Seiten starken Großessay einleitet. Schon Sangmeisters Unterscheidung zwischen pornografischer und erotischer Literatur leuchtet ihm nicht recht ein. Und dass die Aufklärer vom ihrem hehren Sockel geholt werden sollen, erscheint ihm eigentlich auch nicht nötig zu sein. Wer hat je behauptet, die Leute hätten damals nur Kant oder Lessing gelesen? Historischer Kontext hätte vielleicht etwas Klarheit in den Essay gebracht, denkt sich Hafner, der am Ende gar nicht mehr erkennen kann, worum es Sangmeister eigentlich genau zu tun ist.
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