Mit einem Vorwort von Jean-Claude Juncker. Politisch kommt Europa nicht voran, so scheint es: Die Verfassung ist gescheitert. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Die Unternehmen haben das enorme Potenzial Europas längst erkannt - und sie geben den Schritt vor. Denn Europa hat wichtige wirtschaftliche Trümpfe in der Hand: Mit 450 Millionen Einwohnern hat es mehr potenzielle Konsumenten als die Vereinigten Staaten und Japan zusammen. Es steht bei der Bevölkerungsgröße nach China und Indien an Nummer drei in der Welt und hat den größten Binnenmarkt für Güter und Dienstleistungen. Hinzu kommt: Europa hat eine attraktive Idee - es zeigt, wie man aus jahrhundertelanger Feindschaft und blutigen Kriegen Versöhnung und dauerhaften Frieden machen kann. Europäer denken langfristiger, sie geben der Nachhaltigkeit und dem Umweltschutz ein größeres Gewicht. Sie sind stabilitätsbewusster, toleranter und vor allem internationaler orientiert als Amerikaner und Asiaten. Hüfners Analyse ist klar: Europa, nicht die USA oder China, wird die prägende wirtschaftliche und politische Macht des kommenden Jahrzehnts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2006
Er habe Martin Hüfners optimistische Europabegeisterung zwar gerne gelesen, allein, seufzt Rezensent Ralf Altenhof, ihm fehle der Glaube. Denn realistisch sei ein solches "starkes" Europa nun einmal nicht. Die europäische Außenpolitik sieht er im Gegensatz zum Autor eher als "Not" denn als "Tugend". Auch stellt für Hüfner die militärische Impotenz Europas offenbar im Gegensatz zum Rezensenten kein Problem dar, und wenn Hüfner von einer Zukunft ohne Nationalstaaten träumt, fallen Altenhof mindestens genauso viele Argumente für deren Renaissance ein. Insgesamt kommt ihm das alles "wenig handfest" vor. Allerdings weise Hüfner "zu Recht" darauf hin, dass die Osterweiterung keineswegs Arbeitsplätze insgesamt vernichtet, oder dass die EU nicht allein für die Bürokratisierung verantwortlich sei. "Zum weltweiten Modell", schließt der Rezensent seinerseits mit einem Glaubensbekenntnis, seien Hüfners Analysen wohl wenig geeignet, wohl aber als probate Medikation gegen einen grassierenden Pessimismus.
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