Tolle Einschaltquoten für den "Musikantenstadl". Tiroler Folklore in Westfalen. Anscheinend war die Sehnsucht nach "Heimat" noch nie so groß wie heute. Aber der Schein trügt: der Heimatkitsch ist nur Fassade. Gegenwärtig vollzieht sich der schleichende, unaufhaltsame Verlust einer "verorteten" Kultur. Martin Hechts Expedition in die globale Provinz zeigt, dass Heimatlosigkeit kein individuelles Schicksal mehr ist, vielmehr die Konsequenz der Globalisierung. Sie ist nicht nur eine ökonomische Realität, sondern auch das Ideal unserer Zeit: Wer ihr nicht folgt, bleibt auf der Strecke.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.11.2000
Kersten Knipp stellt einen politischen Essay vor, dessen Titel vom "Verschwinden der Heimat" ihm zunächst suspekt vorkam. Der Rezensent gibt Entwarnung: der Autor möchte jenseits von tumber Verherrlichung oder dogmatischer Leugnung die Bindung der Deutschen an ihre Heimat untersuchen. Eine interessante Besichtigungstour bundesrepublikanischen Alltagslebens. "Die Blickrichtung stimmt", befindet Knipp. Mit einem ausgeprägten Sinn für das Hässliche und Peinliche, also den gesamten Heimatkitsch, führe Hecht die Re-Infantilisierung der deutschen Gemüter vor Augen, die einen nicht genau benennbaren Verlust zu kompensieren versuchten. Deutschland zwischen Schützenfest und Gartenzwergkultur. Das alles seien "traurige, aber nur halbe Wahrheiten", schreibt Knipp, der dem Autor vorwirft, am Ende den Begriff des Individualismus gegen all diese geschmacklichen und emotionalen Verwirrungen anzuführen, obwohl er ihn vorher "konsequent ausgeblendet" habe. Eine individualistische Tradition habe Deutschland sehr wohl auch, Hecht wolle sie bloß nicht wahrhaben.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Elfriede Jelinek: Unter Tieren Die Wege des Geldes sind unergründlich. Trotzdem bestimmt es unser Leben, also verfolgt Elfriede Jelinek hartnäckig seine Spur. Von der Bibel bis zu René Benko, von blanker… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,…