Dass sich im Übergang von parlamentarischer Demokratie zur medialisierten Postdemokratie und vom Kapitalismus der Realwirtschaft zum neoliberalen Finanzkapitalismus und vor allem in der Komplizenschaft beider Protagonisten ein Weg zu einer unmenschlichen Gesellschaft auftut, haben mittlerweile nicht nur jene erkannt, die schon immer dagegen waren. Diese Entwicklung wird verkörpert in Erscheinungen wie Berlusconi, Sarkozy oder Guttenberg, sie ist aber auch spürbar im eigenen Alltag: In der rücksichtslosen Aneignung von Architektur und Landschaft durch die Profi tinteressen der Wirtschaft und in der Arroganz der Macht der Politik gegenüber den Interessen der einzelnen. Sie ist spürbar in der immer absurderen Ungleichverteilung von Chancen und Reichtum, und äußert sich schließlich auch in einem rapiden Verfall der (politischen) Kultur diese Entwicklung hat auch die bürgerliche Mitte tief gespalten: Dem Citoyen wird unerträglich, was sich der Bourgeois vielleicht gerade noch gefallen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.08.2012
Intellektuell verärgert zeigt sich Rudolf Walther von so viel Unsinn. Was die Publizisten Markus Metz und Georg Seeßlen hier zusammenzwingen - Arabellion, Stuttgart 21, Castor-Transporte - gehört für Walther schön sauber getrennt und analytisch differenziert. Metz und Seeßlen denken aber nicht dran. Stattdessen hauen sie mit Pathos und Furor auf Neoliberalismus und Postdemokratie, erfinden dolle Metaphern dafür und verrühren Sozialwissenschaft, System- und Medientheorie und Feuilleton-Gebrabbel miteinander, bis Walther komplett die Lust verliert.
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