Aus dem Englischen von Frank Jakubzik. Mit seinem Buch Postdemokratie sorgte Colin Crouch 2008 in Deutschland für Furore. In seiner so pointierten wie scharfsinnigen Analyse konstatiert er, dass die Demokratie in den westlichen Gesellschaften im Begriff sei, zur bloßen Hülle zu werden: demokratische Wahlen und Institutionen würden zwar aufrechterhalten, politische Entscheidungen jedoch de facto in den Chefetagen der Wirtschaft getroffen. Das Buch wurde zum Überraschungserfolg. Colin Crouch hatte eine Debatte um den Verfall der repräsentativen Demokratie losgetreten und ihr mit 'Postdemokratie' einen Namen gegeben.
Otto Langels sieht im neuen Buch des Sozialwissenschaftlers Colin Crouch mehr als eine Bestandsaufnahme und Analyse des Zustands der Demokratie und eine Korrektur früherer Ansichten des Autors. Laut Langels hebt Crouch nach der Konstatierung der Erosion demokratischer Strukturen (nicht trotz, sondern mit Hilfe des Internets) zu einem griffig formulierten, undogmatischen Weckruf an: Die noch vorhandenen rechtsstaatlichen Institutionen und die unabhängige Wissenschaft stärken, in Bildung investieren, die Zivilgesellschaft stützen! Klingt teilweise etwas vage, aber jedenfalls wahr, findet Langels.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2021
Rezensent Günther Nonnenmacher empfiehlt Colin Crouchs Revision seines Buches "Postdemokratie" von 2002. Außer der Bestätigung mancher seiner Thesen konstatiert der Autor laut Nonnenmacher u.a. seine Unterschätzung des Populismus, aber auch der Rolle des Rechtsstaates bei dessen Bekämpfung. Crouchs Neubewertung der Postdemokratie im zentralen Teil des Buches orientiert sich laut Nonnemacher an Krisen wie der Finanzkrise von 2008 aber auch an der aktuellen Pandemie. Crouchs Methode der "dichten Beschreibung" aus systematisch geordneten historischen und empirischen Daten führt nicht immer zu Bewertungen, die der Rezensent teilt. Dass der Autor weitgehend undogmatisch und unideologisch urteilt und differenziert darstellt, nimmt Nonnenmacher jedoch für ihn ein.
Rezensent Tom Schimmeck gefällt am neuen Buch von Colin Crouch, dass sich der Autor darin eingehend mit seinen früheren Arbeiten, namentlich mit seinem "Postdemokratie"-Buch von 2000 auseinandersetzt, alte Vorstellungen überprüft und revidiert. So schätzt Crouch das Potenzial des Feminismus und die Gefahren des Populismus diesmal anders ein, stellt Schimmeck fest. Allein Crouchs Analysen xenophober Ideologie und Strategie lohnen die Lektüre, meint der Rezensent, kommen sie in diesem Buch doch mitunter genauer und mit überzeugenderer argumentativer Kraft daher - als Mahnung und Handlungsaufruf im Sinne der Bewahrung der Demokratie.
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