Den EU-Bürgern wird anlässlich der Corona-Krise beispiellose Solidarität zugemutet: Die EZB legte ein Notstandsanleihenkauf-Programm auf, die EU-Kommission schlug ein europäisches Kurzarbeitergeld und einen EU-"Wiederaufbau "-Fonds vor, der durch gemeinsame EU-Schulden finanziert werden soll. Diese Maßnahmen setzen voraus, dass man die Demokratie im Bereich der Finanzwirtschaft in den Geberländern - der größte Zahler ist Deutschland - essenziell beschneidet. Aber wollen die Deutschen tatsächlich ihrem fiskalischen Selbstmord zustimmen? Sind sie bereit, ihre ohnehin angegriffenen öffentlichen Finanzen auf dem Altar Europas zu opfern?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2021
Rezensent Erich Weede zieht durchaus in Erwägung, Markus C. Kerber in seiner Analyse und Kritik der deutschen Europapolitik zu folgen. Die von Kerber vorgeschlagene Alternative hält er jedoch für unrealistisch. Kritisch steht Kerber vor allem der Schuldenpolitik der EU, der EZB, sowie der derzeitigen Rollenverteilung gegenüber, die man folgendermaßen zusammenfassen könnte: Frankreich führt, Deutschland zahlt. Bis hierhin kann und will Weede Kerbers Schlussfolgerungen noch nachvollziehen, nicht weiter. Die Auflösung der EU und die Gründung einer neuen zentral- und norddeutschen Union ist Kerber zufolge die logische Konsequenz, die aus der aktuellen Europa-Krise zu ziehen sei. Weede hingegen hält eine solche Konstellation für "undenkbar". Abgesehen davon lobt der Rezensent die gute Lesbarkeit von Kerbers Arbeit. Die starke Polemik hier und dort sei dagegen wohl eher "Geschmackssache".
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