Marketa Pilatova

Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein

Roman
Cover: Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein
Residenz Verlag, Salzburg 2010
ISBN 9783701715244
Gebunden, 200 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Michael Stavaric. Jaromir war Maruskas große Liebe. Das war vor dem Krieg, bevor er nach Übersee floh und sie zurückließ, bevor er in Brasilien Luiza heiratete, die Tochter deutscher Auswanderer. Doch dann ist der Krieg zu Ende, die Kommunisten halten Einzug in Prag und Maru?ka erreicht ein Brief aus Brasilien - der erste von vielen Briefen von Jaromir. Den letzten erhält sie nach seiner Todesanzeige (der Kommunismus ist bereits Geschichte), als Luiza eines Tages vor ihrer Tür steht. "Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein, wo er uns doch beide geliebt hat." Mit zwei jungen Frauen, Rückkehrer in dem Land, aus dem ihre Eltern ausgewandert sind, versuchen sie nun, die Teile ihres Lebens zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.07.2010

Wer auf der Suche nach einem Meisterstück tschechischer Gegenwartsliteratur ist, wird sich über Andreas Breitenstein Entdeckung freuen: Marketa Pilatovas Prosadebüt "Wir müssen uns irgendwie ähnlich sein" sei ebenso "hintersinnig-heiter" wie "geschichtsbewusst-melancholisch", schwärmt der faszinierte Rezensent. In kurzen novellistischen Stücken erzähle die junge Autorin die zwischen Prag und Sao Paulo spielende Geschichte von vier Frauen und einem Mann, die alle auf der Suche nach ihrer Identität sind: Luiza, eine Tochter deutscher Auswanderer, sucht nach dem Tod ihres Mannes Jaromir, eines nach dem Zweiten Weltkrieg nach Brasilien geflüchteten, tschechisch-jüdischen Widerstandskämpfers, dessen in Prag lebende Geliebte auf. Dort trifft sie außerdem auf zwei junge brasilianische Töchter tschechischer Emigranten, die auf den Spuren ihrer böhmischen Herkunft sind. Die vier Frauen finden zusammen und lassen so in ihren Erzählungen Bilder der "mythischen Schwere Prags" und der "anarchischen Leichtigkeit Brasiliens" entstehen. In ihren Schilderungen treffen jugendlicher Leichtsinn auf die Weisheit des Alters, verstörende Kriegserinnerungen auf ergreifende Liebesgeschichten und Alltag auf Geschichte. Dabei erzähle Pilatova nie sentimental, sondern mit "poetologischer Klugheit", freut sich Rezensent Breitenstein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2010

Zwischen der Tschechoslowakei und Brasilien, dem Dritten Reich und späteren Zeiten verstehe es die Autorin, rühmt eine ziemlich begeisterte Sabine Berking, hinreißend hin- und herzufabulieren. Das Personal, und wie es miteinander verstrickt ist, klingt eher kompliziert. Neben der KZ-Überlebenden Maruska, die in Prag bleibt, gibt es Jaromir, der nach Lateinamerika geht. Aber auch um die junge Marta, die Maruska in der Psychiatrie kennenlernt, geht es, und um Lena, die zwischen Sao Paulo und Prag pendelt. Das alles verstehe Pilatova aber mit Voodoo und "Lebensklugheit" so anzureichern, dass man den Figuren auf ihren Wegen überaus gern folge. Die Leichtigkeit des Tons, die die Rezensentin an Hrabal wie Hasek gemahnt, tut ihr übriges und so gipfelt Berkings Lob in einem Entzückensschrei: "Was für ein Romandebüt!"
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