Jiri Kratochvil

Das Versprechen des Architekten

Roman
Cover: Das Versprechen des Architekten
Braumüller Verlag, Wien 2010
ISBN 9783992000050
Gebunden, 396 Seiten, 23,90 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Julia Hansen-Löve und Christa Rothmeier. Anfang der Fünfzigerjahre: Eine junge Frau kommt nach dem Verhör durch die Geheimpolizei ums Leben. Sie zu rächen wird für ihren Bruder, den renommierten Architekten, zur bestimmenden Aufgabe, ein Kellergewölbe unter dem Zentrum von Brünn zum bizarren Ort der Vergeltung. Doch der private Rachefeldzug läuft aus dem Ruder und zeitigt absurde Folgen. Mit der Kriminalstory vor politischem Hintergrund, die durchaus Parallelen zu Verbrechen der jüngeren Zeit aufweist, hat Kratochvil ein an Paradoxa reiches, labyrinthisches Gleichnis für eine grausame und abartig-absurde Zeit geschaffen. Ein autobiografisch inspiriertes und inszeniertes Spiel um die Themen Schuld und Strafe, Fiktion und Wirklichkeit mit Anregungen von Dürrenmatt und Nabokov, Schnitzler und Le Corbusier.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.07.2010

Um das Leben in der Diktatur geht es, in der Hochzeit des Kommunismus, als auch viele Kommunisten dran glauben mussten, die als Abweichler galten, erzählt Rezensentin Sylvia Staude in ihrer kurzen Kritik. Ein Architekt will den Tod seiner Schwester rächen und muss feststellen, dass der erste Schlag gegen den vermeintlichen Mörder zu immer weiteren Vergeltungsmaßnahmen führt. Staude ist beeindruckt, mit welcher "Leichtigkeit" Jiri Kratochvil, der jahrzehntelang Publikationsverbot in der Tschecheslowakei hatte, über diese dunkle Zeit schreibt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.07.2010

Ein "ganz wundersames" Buch und vor allem vorzügliches Stück Kriminalliteratur zeigt Tobias Gohlis mit diesem Roman an der seinen Informationen zufolge "drei funkelnde Literaturstränge" vereint, nämlich Surrealismus, die tschechische utopisch-groteske Fantastik und Kriminalliteratur. Dementsprechend sei die Handlung in drei verbrecherischen Zeiten angesiedelt: im Naziprotektorat Böhmen und Mähren, im frühen Stalinismus und im heutigen Kapitalismus. Im Zentrum stehe ein Architekt, der immer nur bauen wolle, und zwischen seinen Bauvorhaben entfaltet der Autor, wie man lesen kann, seine grotesken, komischen, architektur- und gesellschaftskritischen und gelegentlich tödlichen Szenarien. Eine Rolle dabei spielt, so lesen wir auch, eine Villa mit Hakenkreuzgrundriss, eine Kellerinsel der Glückseligen und die verschwundene Schwester des Architekten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2010

Der begrenzte Raum, Brünn und um Brünn herum, scheint Ulrich M. Schmid nicht zu stören. Im Gegenteil sieht Schmid in der Ortstreue des Autors die Möglichkeit einer mythischen Dimension, in der Jiri Kratochvils tschechische Heimatstadt ihre Abgründe öffnet. Diesen Effekt befördern laut Schmid desweiteren ein nicht linearer Verlauf der Zeit sowie die Verbindung von Geschichte, Aktualität, Fiktion und Realität. Heraus kommt für Ulrich in diesem Fall ein anspruchsvoller Roman mit Anspielungen an Dürrenmatts "Versprechen", der die Schweizer Atmosphäre durch diejenige der stalinistischen Tschechoslowakei der 50er Jahre ersetzt. Die absurde Geschichte, in der ober- und unterirdische Verliese, Nazisymbolik, Josef Fritzl und eine neue Gesellschaft von Sklaven ihren Auftritt haben, findet Schmid meisterhaft gebaut und witzig erzählt.

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