Iran, 1960. Der junge Reza wird vom Schah-Regime als Spion nach Europa verschickt. Studieren soll er, sich ein Leben aufbauen, Wissen sammeln und es in die Heimat transferieren. Über Umwege verschlägt es ihn ins erzreligiöse Westfalen, wo er auf Clara trifft, die in ihrer Heimat fremdelt und gegen die ständige Angst ankämpft, zu enttäuschen. Auch Reza taumelt in der Fremde. In ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung finden sie zueinander, doch die Fliehkräfte ihrer Geschichten torpedieren ein dauerhaftes Miteinander. Daran ändert auch die Geburt ihres Sohnes Niklas nichts, der sich schämt für die überbordende Liberalität seiner Eltern. Als Reza 1979 die Islamische Revolution live im Fernsehen verfolgt, begreift er, dass es kein Zurück gibt. Er kollabiert und gerät in Abhängigkeit - von einer Familie, deren Hoffnungen er selbst stets enttäuscht hat. Marius Hulpe schreibt in seinem Roman darüber, was ein Familienleben heute bedeuten kann, wie Ideologie und Repression, aber auch ein ungerichteter Freiheitsdrang ein Labyrinth ohne Ausweg bilden können.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2019
Burkhard Müller langweilt sich nicht mit Marius Hulpes Migrantenroman. Wie der Autor die Abenteuer eines persischen Agronomiespions ab 1960 im westfälischen Soest beschreibt, schelmisch, sprachlich originell und "eigensinnig" in der Handlung, findet Müller lesenswert. Den über 70 Jahre zeitlich wie räumlich hin und herspringenden Kapiteln folgt Müller mit Lust bis in die immer wieder Typisches herausarbeitenden Episoden.
Jürgen Deppe verlässt der Glaube mit Marius Hulpes Roman, in dem eine Soester Kürschnertochter in den späten 50ern mit dem späteren Schah Reza, der als Landwirtschaftsspion in der BRD weilt, ein uneheliches Kind zeugt. Was für Deppe gut ein passabler Schelmenroman hätte werden können, gerät dem Autor laut Rezensent dank blumiger Sprache und Heimatgeschwurbel zur zwar sauber "runtererzählten", aber leider vollkommen unglaubwürdigen klischeebeladenen Wohlfühlgeschichte a la Pilcher.
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