Marion Poschmann

Hundenovelle

Cover: Hundenovelle
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783627001490
Gebunden, 128 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Hundenovelle handelt von einer ungewöhnlichen Begegnung: Am Stadtrand läuft der Erzählerin ein schwarzer Hund zu, verwildert, hungrig, aber von eigenartiger Schönheit. Der Hund lässt sich nicht abschütteln und drängt sich durch den Türspalt in ihre Wohnung. Sie kauft ihm zögerlich Tiernahrung, bringt ihn in einen Hundesalon. Mit dem imposanten Tier tritt ein Gegenüber in ihr Leben, das auf verstörende Weise immer mehr Platz in ihrer Einsamkeit einnimmt. Es sind die Hundstage, die Zeit der größten Sommerhitze, verbunden mit dem Erscheinen des Sternbilds "Großer Hund" am Horizont, dessen hellster Stern Sirius seit jeher als Künder besonderer Ereignisse und als Stern des Totenreichs gilt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Hundenovelle oder Regressionsgeschichte? Rezensent Heinrich Detering sieht in dem fabelhaften Vierbeiner von Marion Poschmann den Todesboten. Die Katastrophe kündigt sich für Detering in den halluzinatorischen Landschaftsbildern an. Bald verwandelt sich die Erzählerin vor den Augen des Rezensenten von einer Flaneurin in eine von Zeit und Raum und den Grenzen des Ich losgelöste Gestalt. Dass dieser Vorgang ("Folge eines sozialen Kollapses") etwas entschieden Tröstliches hat, bezeugt der Rezensent ebenso wie seine Glaubhaftigkeit. Letztere, erklärt Detering, hat ihren Grund in der "eigenwilligen Naturpoesie", in der genauen, suggestiven Prosa der Autorin.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008

Jutta Person schickt ihrer Kritik warnend voraus, dass der Flausch-Faktor in Marion Poschmanns "Hundenovelle" gleich null ist. Die Autorin beschreibt darin eine unfreiwillige, aber umso tiefere Seelenverwandtschaft zwischen einer namenlosen, melancholisch brütenden Ich-Erzählerin und einem verwahrlosten Hund. Dass sie dabei höchst "subtil" sämtliche Motive der Melancholiegeschichte seit der Antike aufruft, macht ihre Novelle auch zu einem "philosophischen Bilderrätsel", so die Rezensentin beeindruckt. Mit "Weltschmerz" habe die aggressiv-bittere Haltung der Hundehalterin wider Willen nichts zu tun, dafür seien Momente großer Komik zu finden, die die rabenschwarzen Gedanken der Ich-Erzählerin immer wieder ins Skurrile wendeten. Person preist das Buch als beeindruckend sensible Darstellung einer randständigen Seelenlandschaft und schwärmt, so schön sei über die "Farbe Schwarz" noch nie geschrieben worden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2008

Laut Dorothea Dieckmann geht es oberflächlich betrachtet um die Beziehung einer Frau zu einem zugelaufenen Hund, lesen wir. Und es geht um einen einen Menschen, der von einem Tier ins vormenschliche Paradies eines "animalischen Nirwanas" gezogen wird, in dem "Ich und Welt, Mensch und Landschaft" verschmelzen. Die Rezensent sieht diese Geschichte von "Natursehnsucht bis Zivilisationsekel, von Erlösungswunsch bis Todesangst" durchzogen. Sie
konstatiert befremdet "großen Kunstwillen", eine "geschliffene, glitzernd polierte Sprache" gar und ein höchst "kontrolliertes Gleichtgewicht" der eingesetzten Mittel: drohe "Überdosis sinnlicher Beschreibung", folge "lakonischer Witz", drohe gar Kitsch, würden flugs "Reflexionen und Legenden" eingeschoben - also der Gegensatz zu Konrad Lorenz' "lebendiger Souveränität", auf dessen Spuren die Rezensentin Poschmann wandeln sieht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2008

Rezensentin Barbara Villiger Heilig ist von dieser Novelle der Lyrikerin und Autorin Marion Poschmann richtiggehend in einem Bann gezogen. Sie findet das Buch "wunderbar" und vergleicht seine Wirkung mit "einem Schwindel, einem Abdriften und gleichzeitigen Auftauchen, einer Halluzination". Das Buch handelt von einer Begegnung einer Frau mit einem Hund. Das hat wenig Beschauliches oder Gemütliches. Auch zum Happy End kommt es nicht, aber dennoch hat die Geschichte nach Meinung der Rezensentin etwas "Tröstliches". Zudem vermittelt Poschmanns Schreibstil eine sehr sinnliche Erfahrung mit Mehrwert, in ihrer Erzählung kommen "Gelehrtheit (oder die Koketterie damit), Sprachvirtuosität und eine Anschauung der Dinge, die elegisch und elektrisch wirkt", zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2008

Hingerissen ist Christoph Schröder von Marion Poschmanns "Hundenovelle" und er preist sie als gleichermaßen anrührend, klug, anmutig und voller philosophischer Anspielungen. Einer Ich-Erzählerin läuft ein Hund zu, den sie nicht mehr loswird und der sich als Spiegel ihrer melancholischen Existenz erweist, lässt uns der Rezensent wissen. Poschmann greift auf tradierte Melancholiker-Bilder zurück, in ihrer Novelle scheint immer wieder die philosophische Unterfütterung hindurch, ohne dass sie dabei ihre Poesie einbüße, so Schröder begeistert. Und so zeigt sich der Rezensent Poschmann gegenüber als dankbar für diese Geschichte, die er als vielschichtig und anrührend rühmt.