Mario Fortunato

Spaziergang mit Ferlinghetti

Begegnungen
Cover: Spaziergang mit Ferlinghetti
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783895611766
Kartoniert, 346 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Jan Koneffke. Mario Fortunato unternimmt einen Streifzug in die jüngste Vergangenheit, als die Welt sich veränderte und mit ihr ein literarisches Universum unterging. Er schildert Persönlichkeiten, Szenen, reale Orte und Orte der Gefühle: Rom, Berlin, New York, Tanger, London. Er erzählt wie in einem Roman von Beziehungen, Leidenschaften, Streitigkeiten, Trennungen, neuen Begegnungen mit: Jorge Luis Borges, der Menschen an ihren Händen erkennt. Matt Dillon, der aus Neugier anruft, während Franco Fortini um sieben Uhr morgens telefonisch in den Schlaf platzt. Außerdem Giulio Einaudi, der mit Nanni Moretti zusammen Hühnchen isst, Salman Rushdie, der sich in seiner Wohnung verkrochen hat, Natalia Ginzburg, die Angst hat, vor Publikum zu sprechen, während Doris Lessing den Autobus nach Monreale nimmt. Oder David Grossman, umgeben vom Spielzeug seiner Kinder, Joseph Brodsky, der in seiner Nobelpreisrede die Schwulen begrüßt, und Alberto Moravia, der in einem Augenblick der Zerstreutheit stirbt. Paul Bowles, der an Einsamkeit leidet, und Colin Firth, der öffentlich an Berlusconi appelliert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2011

Ach, die Literatur! Maike Albath kommt glatt ins Schwärmen, wenn sie dem Autor so beim Schwärmen zuhört über Literatur und die Literaten. Sehr gern lässt sie sich von Mario Fortunato an die Hand nehmen beziehungsweise spielt Mäuschen, wenn der Autor alte Bekannte trifft, Dichter, Gelehrte allesamt, Borges, Moravia, Heiner Müller usw. Nicht nur die berühmten Schriftsteller bezaubern sie, auch die Orte der Treffen, die Fortunato beschreibt, die Werke, in die er freundlicherweise einführt, und nicht weniger Fortunatos eigene Lebensphasen, die mit seinen hier weitergereichten Lektüreerlebnissen eng verbunden sind. So sind die Essays im Band für Albath auch manchmal Reisereportagen, vor allem jedoch bieten sie ihr einen Querschnitt durch die Literaturgeschichte der letzten 30 Jahre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2011

Rezensent Kai Sina liest diese "Begegnungen" als Gegenbuch zu Fritz J. Raddatz' kürzlich in Form alter Tagebücher erschienenen Porträts von Schriftstellern, die in den achtziger Jahren groß waren: Offenbar formen sich die Autoren die Gegenstände ihrer Betrachtung nach ihrem Bilde. Wer bei Fritz J. Raddatz als eitler Geck erscheint, der mag in Fortunatos sentimentaler gestimmten Porträts als Ausbund der Wärme und Menschlichkeit rüberkommen. Auch dieser Blick überzeugt nicht ganz: Sina fühlt sich zuweilen an den Betroffenheitskitsch der achtziger Jahre erinnert. Mit Interesse hat er Fortunatos Essay aber immer dann gelesen, wenn es bei dessen "Begegnungen" tatsächlich gefunkt hat. Dann scheint es, als wolle sich Fortunato durch einfühlsame Prosa bedanken, sagt er. Die Nostalgie für die glorreichen Achtziger aber kann Sina gar nicht nachvollziehen.