Marieluise Jurreit

Der Antrag

Roman
Cover: Der Antrag
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783627001117
Gebunden, 288 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Der als Fernsehkommissar berühmte Schauspieler Harry Weinlaub kommt mit seiner neuen Rolle nicht klar. Bei den Dreharbeiten bricht er zusammen. Zu Hause findet er einen Brief mit dem Foto einer jungen Frau, die sich als unheilbar krank darstellt. Auch ihre Jungfräulichkeit deutet sie an. Sie will mit ihm schlafen. Eine publicitygeile Göre, die zu viel ferngesehen hat, das ist die einzig plausible Erklärung für diesen verrückten Wunsch. Doch als Katja Westermann, ein schmales, mädchenhaftes, aber selbstbewusstes Wesen, eines Tages vor seiner Tür auftaucht und zielstrebig in das Schlafzimmer geht, gerät Weinlaub in die Klemme. Eine seltsame Liebesgeschichte beginnt, die sich so ganz anders entwickelt, als Weinlaub es erwartet, und deren fataler Verlauf nicht mehr umkehrbar ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.05.2004

Obwohl Barbara von Becker einiges an Potenzial in diesem Roman entdeckt - der Stoff, den die Autorin Marielouise Jurreit bearbeitet, ist eigentlich umfassend genug, um daraus eine interessante Geschichte zu machen - ist sie mit dem Ergebnis nicht gerade zufrieden. Das liegt vor allem an der Blassheit der Figuren. Becker hat den Eindruck, als habe sich die "Indifferenz eines Verdrängungskünstlers", in diesem Fall des Protagonisten Harry, "auf den ganzen Text, auf alle Figuren gelegt". Die Lähmung wird nur am Schluss gebrochen. Vielleicht liegt es ihrer Meinung nach auch an der beschriebenen Szene - Schauspieler, Regisseure, Agenten und "das alte und neue Personal der Berliner Medienrepublik" - die Klischeebildungen begünstigt. Auch stilistisch findet von Becker den Roman nicht so richtig gelungen: "Verschachtelte Relativsätze hemmen den Rhythmus, Sprachbilder funktionieren nicht oder bedienen banale Klischees".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.05.2004

Sehr ausführlich und durchweg ironisch bespricht Ernst Osterkamp diesen Roman, wobei er ihn als nach allen Regeln der Kunst zusammengestellten, geradezu idealtypischen "Zeit- und Gesellschaftsroman" charakterisiert. So ein Roman muss natürlich in Berlin spielen, so der Rezensent, der in den Beschreibungen der Orte die "beinharte Authentizität eines Falkplanes" bespöttelt. Auch die Protagonisten wirken auf ihn wie aus dem Baukasten und die psychologische Ausleuchtung der "bewährten Art" lässt nichts unerklärt, so Osterkamp mit grimmigem Vergnügen am Verriss. Dieses Buch, das von der "mittleren Lebenskrise" der Hauptfigur Harry Weinlaub erzählt, hat alles, was der große Gegenwartsroman verlangt: "Sex und Tod, Krebs und eine Andeutung von Jungfräulichkeit", und er "liest sich weg wie nichts", gibt der Rezensent zu. Doch genauso schnell hat man ihn vergessen, so Osterkamp giftig, der diesem nach allzu bewährtem Rezept hergestellten Roman offensichtlich nichts abgewinnen kann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.04.2004

Marielouise Jurreit versetzt sich in ihrem zweiten Roman "in die Seele und den Triebhaushalt eines Mannes, dem eine erotische Obsession entschieden mehr zu schaffen macht als die Nazikarriere seines Vaters", berichtet Rezensentin Kristina Maidt-Zinke. Die Autorin erzählt die Geschichte des alkoholsüchtigen Fernsehstars Heinrich "Harry" Weinlaub, dem die an Lymphdrüsenkrebs erkrankte Schauspielschülerin Katja ihren Bedarf an Sex offeriert. Harry will erst nicht, nachdem aber seine Lebensgefährtin beginnt, sich wieder rar zu machen, dann doch. Die Todgeweihte beginnt das Objekt der sexuellen Phantasien des gealterten Schauspielers zu werden. Nach mehrfachen Onanieszenen stellt sich dann heraus, dass Katja ihn betrogen hat. Sie ist in Wahrheit gar nicht sterbenskrank, sondern versucht nur ihren beruflichen Aufstieg zu fördern. Eine "ganze Menge Holz" habe Jurreit dafür zusammengelesen: "die Hauptstadt, das Showbusiness, der Sex und der Nazivater" - das ergebe eine "abenteuerliche Mischung führwahr, serviert mit einem unbekümmerten Erzähl-Elan, der an Heroen des Trivialromans wie Simmel und Konsalik gemahnt", meint unsere Rezensentin, die sich wenig Mühe zu geben scheint, ihren spöttischen Ton zu verbergen.
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