Maria Tschechowa

Mein Bruder Anton Tschechow

Cover: Mein Bruder Anton Tschechow
Kindler Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783463404462
Gebunden, 286 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Antje Leetz. Maria Tschechowa erzählt, fast fünfzig Jahre nach seinem Tod, aus der Perspektive der Eingeweihten vom ereignisreichen Leben ihres Bruders, des großen russischen Dichters Anton Tschechow. Schon zu Lebzeiten ist Anton Pawlowitsch ein berühmter Mann und verkehrt mit den Größen der russischen Künstlerwelt. Schriftsteller, Maler und Schauspieler, russischer Adel, sie alle zählen zu seinem Bekanntenkreis, gehen in seinem Moskauer Haus ein und aus und bevölkern die Tschechow-Datschas. Von den Jahren in der südrussischen Provinzstadt Taganrog über Moskau und St. Petersburg bis hin zu seinem frühen Tod in Badenweiler zeichnet Maria den Weg des Dichters, der nicht frei ist von Misserfolgen und Enttäuschungen. Offen schildert sie auch die schwierigen Seiten der zärtlichen Beziehung zu ihrem Bruder. Den Heiratsantrag ihres Freundes Alexander Smagin lehnt sie Antoscha zuliebe ab. Dieser hatte verstimmt auf die Nachricht von der geplanten Hochzeit reagiert. Umso eifersüchtiger ist sie, als Anton wenige Jahre vor seinem Tod die Schauspielerin Olga Knipper heiratet. So entsteht das nostalgische Bild einer russischen Großfamilie der Jahrhundertwende, die nicht absteigt wie die Buddenbrooks, sondern aus Armut und Spießbürgerlichkeit zu relativem Wohlstand gelangt. Von der unvergleichlichen Atmosphäre dieser untergegangenen Welt legen die privaten Fotografien des Bandes beredtes Zeugnis ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.09.2004

Zunächst nähert sich Peter Urban diesen Erinnerungen, die Maria Tschechowa über ihren Bruder erzählt und die nun anlässlich des hundertsten Todestages Anton Tschechows auf Deutsch erscheinen, voller Lob und Sympathie. Er preist das Buch als "einzigartiges literarisches Dokument", in dem Maria Tschechowa "verständnisvoll und kompetent" über ihren Bruder berichtet, dem sie den Großteil ihres Lebens gewidmet hat. Insbesondere denjenigen, die lediglich die Briefe Tschechows kennen, wird der Band interessante Aufschlüsse und "leichte Akzentverschiebungen" bieten, die es zu einer lohnenswerten Lektüre machen, so Urban überzeugt. Doch kaum hat der Rezensent solcherart sein Wohlwollen geäußert, als er auch schon zu klagen und anzuklagen anhebt. Denn bei allem Wert dieser Erinnerungen beweint Urban dieses Buch als "Tiefpunkt deutscher Editionspraxis" und begibt sich auch sogleich an die Aufzählung der Vergehen: Er vermisst ein erklärendes Vor- und Nachwort, da besonders die "Entstehungsgeschichte" dieses Buches einige Worte wert wäre, wie er findet. Dann ärgert sich der Rezensent gewaltig über die Willkür, mit dem man den Text "oft geradezu sinnentstellend" gekürzt hat und dies zudem auch nicht gekennzeichnet hat. Des weiteren weist Urban verbittert auf grammatikalische, inhaltliche und geographische Fehler hin und betont, dass "buchstäblich kein einziger Satz" dieser Ausgabe "ungeprüft zitiert" werden sollte.
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