Carl Jonas Love Almqvist

Die Woche mit Sara

Roman
Cover: Die Woche mit Sara
Kindler Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783463404578
Gebunden, 160 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen und mit einem Nachwort von Anne Storm. Keine belletristische Veröffentlichung hat in Schweden jemals so viel Aufsehen erregt wie das Erscheinen dieses kleinen Romans im Jahr 1839. Beschimpft als "Sittenverderber" und "Verführer der Jugend" verlor Almqvist seine Anstellung und floh schließlich wegen eines drohenden Prozesses nach Amerika. Auf einer Schiffsreise über den Mälarsee sieht der junge Sergeant Albert eine hübsche junge Frau und verliebt sich in sie. Doch all seine Versuche, die junge Dame kennen zu lernen, schlagen fehl: Sara lässt ihn abblitzen. Sie wirft sogar ein Geschenk von ihm, einen Ring, den er einem einfachen Bauernmädchen auf dem Schiff abgekauft hat, in hohem Bogen über die Reling. Erst bei einem Landgang kommen sich die beiden etwas näher. Doch die Glasermeisterstochter Sara Videbeck ist nicht nur eine anziehende, sondern auch eine erstaunliche Frau, die den Sergeanten mit ihrem Benehmen irritiert und in den Bann zieht. Sie besteht darauf, ihr Essen selbst zu bezahlen, sie schlägt Albert vor, zusammen in dem einzigen noch freien Zimmer der Herberge zu übernachten, und sie hält ein flammendes Plädoyer für die freie Liebe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2004

Der "A. Bn." zeichnende Rezensent zeigt sich stark beeindruckt von diesem 1839 erschienenen Roman, und dies unter literarischen wie gesellschaftlichen Gesichtspunkten. Was das Literarische angeht, ist er voll des Lobes ob der sprachlichen Dichte, der guten Beobachtungsgabe, der Qualität der Beschreibungen wie auch der Spannung, die Almqvist aufzubauen wisse. Stärker noch zeigt sich der Rezensent jedoch von den gesellschaftspolitischen Dimensionen in Almqvists Buch beeindruckt. Dieser habe eine "demokratische Gesellschaft und gleichberechtigte Geschlechter" zu einer Zeit im Sinn gehabt und in seiner Literatur dargestellt, als dies für seine Umwelt noch nahezu undenkbar war, und er sei bereit gewesen, für diese Vision auch persönlichen Nachteil in Kauf zu nehmen, wie der Rezensent beeindruckt feststellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.05.2004

Kristina Maidt-Zinke schwärmt von einer "der hübschesten literarischen Ausgrabungen der letzten Zeit" und berichtet von ihrem Verfasser, der nie dem Verdacht entkommen konnte, einen Geldverleiher mit Arsenik vergiftet zu haben. Sollte dem so sein, meint die Rezensentin, so wäre das ein "weiteres, eindrucksvolles Beispiel dafür, dass zwischen Kunst und Moral keine Zwangsverwandtschaft besteht". Der jetzt auf deutsch vorliegende kleine Roman stammt aus dem Jahr 1839, doch auch die Schweden selbst entdeckten erst vor kurzem, dass sie mit Carl Jonas Love Almquist "einen Virtuosen des frühen Realismus" in den Reihen ihrer literarischen Ahnen haben. Die Zeitgenossen jedenfalls, zumindest die damals vorherrschenden Konservativen, hassten ihn; "Die Woche mit Sara" war ein Skandalroman ersten Ranges, weil es sein Autor, ein eigenwilliger "Systemkritiker, Reformpädagoge und Sympathisant der liberalen Opposition", gewagt hatte, eine Frauenfigur zu erschaffen, "die unternehmerisch tätig ist, ohne Begleitung reist, ihre Rechnungen selbst zahlt und ihren Lebensplan samt Kinderwunsch auf das Konzept der freien Liebe gründet" - damals, es war die Zeit der Restauration, war das "nicht nur das Produkt einer kühnen Phantasie, sondern auch eine unerhörte Provokation". Und dann ist da noch Almquist, der wunderbare Erzähler, der eine Hafenszene "mit wenigen, sicheren Strichen so lebendig skizziert, dass man glaubt, die Frische eines Stockholmer Julimorgens zu spüren". Und trotz aller narrativen Brillanz und "Diskurshaftigkeit", versichert Maidt-Zinke, komme der emotionale Gehalt nie zu kurz. Eine Entdeckung höchster Güte!
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