Unter den zahlreichen Methoden der Wahrsagekunst sind die Orakel der griechischen Antike die bekanntesten. Der Begriff bezeichnet Weissagungen, die an bestimmten Orten nach einem festgelegten Ritus und zu festgelegten Zeiten erteilt wurden, an denen die Gottheit als anwesend gedacht war. Zugleich bezeichnet "Orakel" den Ort der Weissagung. Das Buch behandelt das Orakelwesen der griechischen Welt als kulturgeschichtliches Phänomen. Wichtige Orakelstätten wie das Apollonheiligtum in Delphi, das Würfelorakel des Herakles auf der nördlichen Peloponnes oder das Heiligtum des Asklepios in Pergamon werden vorgestellt, die verschiedenen Orakeltechniken illustrierend erklärt. Der Autor erörtert die Fragen, welche Funktion Orakel im Privatleben und in der Politik hatten, zu welchem Zweck die Griechen Orakel konsultierten, und zieht Parallelen zu Horoskopen und Handlesern in der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2001
Im Grundton anerkennend äußert sich Barbara von Reibnitz über Rosenbergers Untersuchung zum altgriechischen Orakelwesen - ein vielschichtiges Phänomen der Antike, das von den großen durchorganisierten Orakeln wie Delphi oder Dodona bis hin zu den Los-, Würfel- und Buchstabenorakeln des religiösen Alltags reicht. Der Augsburger Althistoriker habe in der Theiss-Neuerscheinung (Übernahme durch die WBG Darmstadt), die eine Einführung in das Thema darstellen soll, den kommunikativen Aspekt des Orakels betont, jedoch bleibe eine systematische Interpretation und eine genauere historische Kontextualisierung des Materials sowie die zeitgenössische Kritik am Orakelwesen unberücksichtigt. Somit ist nach Meinung der Rezensentin der Anspruch des Untertitels, eine "Kulturgeschichte", zu hoch gegriffen.
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