Maria Gazzetti (Hg.)

Frankfurt

Literarische Spaziergänge
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783596169351
Kartoniert, 208 Seiten, 9,95 EUR

Klappentext

Der Weg vom "alten" Frankfurter Literaturhaus im Westend hin zum "neuen" in der wiederaufgebauten Stadtbücherei am Main führt nicht nur durch die Stadt der Banken, sondern auch durch eine Stadt der Literatur. Kennen wir sie? Eine literarische Stadtführung mit Robert Gernhardt, Peter Kurzeck, Wilhelm Genazino, Martin Mosebach, Jamal Tuschick, Najwa Barakat und Renate Chotjewitz. Mit zahlreichen Fotografien, einem Register und einem herausklappbaren Stadtplan.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Als "wunderbare Festschrift" für das Literaturhaus Frankfurt, das vor kurzem in die renovierte alte Stadtbibliothek umgezogen ist, feiert Ulrich Greiner den von Maria Gazetti herausgegebenen Band, in dem diverse Schriftsteller von Wilhelm Genazino bis Martin Mosebach ihre Heimatstadt würdigen. Letzterer findet besondere Erwähnung, weil man dem Text ansehe, wie der Autor "seine Stadt liebt". Auf einem Spaziergang quer durch die Mainmetropole "umschwärmt" er sie "heiter" ob der alten und erhaltenen Schönheit und zugleich "traurig", weil auch heute noch viel Historisches beiläufig vernichtet wird. Die meisten Schriftsteller rekurrieren wie Mosebach auf die Geschichte der Stadt, informiert Greiner, dem auch der Text von Renate Chotjewitz-Hüfner gefallen zu haben scheint, der die Spuren verstorbener Frankfurter Geistesgrößen von Schopenhauer bis Adorno freilegt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.10.2005

Das Frankfurter Literaturhaus zieht um, vom bürgerlichen Westend in das betrübliche Ostend, berichtet der Rezensent Lothar Müller. Zu diesem Anlass, so Müller weiter, hat Maria Gazzetti, die Leiterin des Hauses, eine Anthologie zusammengestellt, die den "realen Weg des Umzugs" mitbeschreitet und durch Beiträge von zeitgenössischen Frankfurter Autoren literarisch ausleuchtet. Unter den Autoren befinden sich etwa Martin Mosebach, der wehmütig vom alten zum neuen Literaturhaus spaziert und schließlich doch warme Worte für die Zukunft findet, von Jamal Tuschick, der das Ostend zum Schauplatz eines "dreckigen kleinen Frankfurt-Films" macht, von Wilhelm Genazino, der Frankfurt im Hinblick auf die gleichnamigen Würstchen betrachtet, und von Robert Gernhardt, der für mehr Gelächter im Geistesgrößen-, Goethe- und Geld-Frankfurt wirbt. Ergänzt werden die Texte durch eine "literarische Chronik Frankfurts seit der Goethezeit". Im Vordergrund stehe dabei stets die Neue Frankfurter Schule und Adorno, dessen Adresse (Schöne Aussicht 9) der neuen Literaturhaus-Adresse auffallend ähnlich sei (An der schönen Aussicht 2). Über einige Auslassungen zeigt sich der Rezensent jedoch betrübt: Franz Rosenzweigs "Freies Jüdisches Lehrhaus" findet keine Erwähnung, so wenig wie das Verlagshaus Fischer (bei dem die Anthologie erscheint) und dessen namhafte Persönlichkeiten.
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