Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Vor dem Amsterdamer Hauptbahnhof klafft eine Baugrube. Auf dem schmalen Steg davor begegnen sich zwei Frauen. Schreiend beginnt die jüngere auf die ältere einzuschlagen, bis diese in die Grube stürzt und den Tod findet. Seit ihrer Kindheit hat Marie Lina den Gedanken an Rache im Herzen getragen, an diesem Tag bricht er sich Bahn. Marie Linas Mann ist Vogelvertreiber am Flughafen, sie führen eine gute Ehe. Die tiefe Wut seiner Frau aber kann er nicht vertreiben. Warum hat Marie Linas Mutter einst einen Mord gestanden, den sie nicht begangen hat?
In ihrem neuen Roman "Von Vögeln und Menschen" betrachtet Margriet de Moor drei Frauenfiguren, die über einen Mord miteinander verbunden sind, aus nächster Nähe, so Rezensentin Katharina Granzin. Die Vögel dienen de Moor dabei in den Augen der Rezensentin als metaphorischer Hintergrund, vor dem sie die menschliche Existenz ausleuchtet. In die Psyche der Figuren lasse sie dabei allerdings nicht blicken, vielmehr zeichne sie mit wunderschöner Sprache, die laut Granzin auch sehr gut übersetzt wurde, "antipsychologische Nahporträts". Dass die, wie sie findet, ästhetisch äußerst ansprechende Erzählung alle wichtigen Antworten schuldig bleibe, empfand Granzin zugleich als hohe Kunst als auch als nachhaltig verstörend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.03.2018
Rezensent Martin Oehlen bekommt, was er von einer Autorin wie Margriet de Moor erwarten darf, in diesem Roman. Als Kennerin menschlicher Abgründe und Sehnsüchte gibt sich die Autorin ihm hier einmal mehr zu erkennen. Das Buch um das Geständnis eines nicht begangenen Mordes handelt laut Oehlen von Gewalt und Liebe und entwirrt einen Knoten aus Bewusstem und Unbewusstem, ohne jedoch das Rätsel restlos aufzulösen. Mehr als eine Ahnung, was hinter all dem steckt, hat der Rezensent am Ende nicht, auch wenn de Moor aus mannigfachen Perspektiven erzählt und das Netz ihre Motive und Figuren mit der Virtuosität einer Musikerin webt, wie Oehlen fasziniert feststellt.
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