Adriaan van Dis

Doppelliebe

Geschichte eines jungen Mannes
Cover: Doppelliebe
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446204546
Gebunden, 320 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Marlene Müller-Haas. Das Porträt eines jungen Mannes im Amsterdam der siebziger Jahre: Als Dichter, Dieb, Revoluzzer und Gigolo wechselt er, der nicht weiß, ob er Männer oder Frauen liebt, zwischen den Lagern hin und her wie ein Spion. Alles dreht sich um die eine Frage: Wie will ich leben? Ein gnadenloser Rückblick auf die eigene Education sentimentale des Autors.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2004

Ganz klar ist nicht, was die Rezensentin Hannelore Schlaffer von Adriaan Van Dis' Roman wirklich hält, bemerkt sie doch gleich zu Beginn, dass "Doppelliebe" Musils "Törleß" recht ähnlich sei. Dass der Roman, dessen Kapitel stets mit einem Motto beginnen, jedoch kein Musil-Zitat aufweist, veranlasst die Rezensentin zur Vermutung, Van Dis meide die Nähe zu Musil, weil "die Unähnlichkeit im Ähnlichen denn doch zu sehr ins Auge stäche". Musil unähnlich zu sein: Das kommt wohl einem negativen Qualitätsurteil gleich. Und in der Tat: Der "gefährliche weiche seelische Boden", der bei Musil die Jugend und ihre Komplexität ausmacht, liege Van Dis' Protagonist eher fern. Dieser erzähle die Geschichte in der Retrospektive, und durch die "Souveränität des Rückblicks" verlieren sich die dringenden "philosophischen Fragen", die bei Musil gemeinsam mit den erotischen Fantasien aufsteigen. Auch der Sadismus sei bei weitem nicht so "metaphysisch visionär" wie bei Musil. Van Dis' Protagonist entferne sich mit seiner Rebellion "immer nur einen kleinen Schritt" vom Weg des Vaters, von dem es sich jedoch zu lösen gelte. Kein Wunder also, so die Rezensentin, dass nur bei Musil der Protagonist aus seiner Jugend mit einer "verfeinerten Seelenbildung" hervorgeht. Fazit: Alles ist irgendwie Musil, und doch ein bisschen kleiner: ein "Schelmenroman" oder vielleicht auch nur ein "holländischer Pornoroman".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2004

Auch wenn es um die "education sentimentale" eines jungen Mannes geht - dem Autor, einem in den Niederlanden berühmten Fernsehjournalisten, muss Dorothea Dieckmann am Ende der Lektüre fehlende Reife bescheinigen. Eine Identitätssuche als Rollenspiel - der Held irrt durch wechselnde Kulissen, verkleidet sich, probiert sich als Student, als Nachtmensch, als Linker, und der Roman tut es ihm nach. Erzählerische Posen und wechselnde Perspektiven, so Dieckmann, sollen den Inhalt in der Form nachvollziehen, doch der Ausgangspunkt ist auch der Endpunkt: das "Grundmotiv eines wandlungssüchtigen ästhetischen Daseins", immer wieder durchgespielt. Manches, findet Dieckmann, könnte als Kurzprosa Bestand haben, zusammengewürfelt bleibe es aber, nun, zusammengewürfelt - richtungslos, spielerisch, nichtssagend. Ein "literarischer Kramladen", aus dem die Rezensentin nur aus Höflichkeit ein paar Kleinigkeiten mitnehmen mochte.
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