Manil Suri

Vishnus Tod

Roman
Cover: Vishnus Tod
Luchterhand Literaturverlag, München 2001
ISBN 9783630870878
Gebunden, 399 Seiten, 23,01 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Anette Grube. "Um Vishnu nicht zu wecken, falls er nocht nicht gestorben war, ging Mrs. Asrani mit der Teekanne in der Hand auf Zehenspitzen hinunter bis zur dritten Stufe oberhalb des Treppenabsatzes, auf dem er lebte." So beginnt der Roman des Erzählers, in dem ein Mietshaus in Bombay zum Spiegel indischen Lebens wird. Die Farben, der Humor, das Temperament Indiens sind hier ebenso eingefangen wie die hinduistische Mythologie: die Wanderung durch die verschiedenen Seinsstufen, die Wiedergeburt, die Götter und Dämonen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2002

Als Salman Rushdie 1997 seine Anthologie über die indische Literatur nach 1945 herausbrachte, war unter den vorgestellten Autoren ein einziger, der in einer der achtzehn offiziellen Landessprachen schrieb, alle anderen waren dem Angloamerikanischen verpflichtet. Das trug Rushdie vor allem in Indien viel Kritik ein, weiß Karl-Markus Gauß, der den enormen Erfolg vieler indischer Autoren englischer Sprache dem Umstand zuschreibt, dass diese Autoren, die selbst nicht in Indien leben, für ein nichtindisches Publikum schreiben und ein exotisches Indienbild liefern, das in Indien lebenden Schriftstellern so nicht aus der Feder fließen würde. Manil Suri ist für Gauß ein solcher Fall: der Mathematiker lebt und lehrt in Amerika und hat, wie Gauß nicht mal spöttisch anmerkt, einen Schreibkurs für Creative Writing besucht. Und so liest sich sein Debüt auch, findet Gauß: es enthält alles, was man sich von einem Dritte-Welt-Roman vorstellt, und das gar nicht mal so schlecht. Sein Problem ist nur, meint Gauß, die Übererfüllung des Solls: Seelenwanderung und Arme-Leute-Philosophie, die Stadt und der Müll, Leidenschaft und Askese, kurzum, ein gewaltiges Panoptikum, in das Suri alles zu zwingen versuche. Der Autor habe "fast nichts und fast niemanden" vergessen, stöhnt Gauß noch ein bisschen zum Schluss, doch die gute Absicht, die sei eben immer und überall zu verspüren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.07.2001

Für seinen Erstlingsroman "Vishnus Tod" hat der 1959 in Bombay geborene Mathematikprofessor Manil Suri, der an der University of Maryland lehrt, aus dem hinduistischen Selbstverständnis geschöpft, erzählt Angela Schader. Das Mietshaus in Bombay, auf dessen Treppenstufen der Bettler Vishnu stirbt, stehe für die verschiedenen Lebensstufen des Hinduismus. Der soeben verstorbene Vishnu führe den Leser während seiner Reinkarnationsphase durch alle Stockwerke des Hauses und stelle die Lebensgeschichten seiner Bewohner vor, berichtet die Rezensentin. Recht unorthodox findet Schader den Umgang des Autors mit dem Hinduismus und hält das Buch für eine "Bollywood-reife", ironisch-sentimentale Reverenz an gute Geister, die sich von dieser Welt längst verabschiedet haben".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.06.2001

Was für ein Szenario! denkt die Rezensentin. Ein Stoff, wie geschaffen für ein zorniges Sozialdrama. Allein es ist: eine Komödie. Eine, die im übrigen nach der Bühne oder der Kinoleinwand geradezu schreit, wie Katharina Granzin anmerkt. Die turbulente Handlung um das Leben und Leiden der ("wunderbar ironisch gezeichneten") Bewohner eines Bombayer Mietshauses, um Hindus im Clinch mit muslimischen Nachbarn, hätte ihr allerdings vollauf genügt. Wozu das Ganze mit Hilfe künstlicher Symbolik zum religiös-mythologischen Götterreigen stilisieren? Sofern jemand wirklich erzählen kann, findet Granzin, tun's auch "die kleinen Dinge".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2001

Hans-Peter Kunisch kann mit dem Debütroman, der seiner Einschätzung nach das Zeug zum Bestseller hat, nicht viel anfangen. Er gibt zwar zu, dass der erste Satz, abgesehen von der deutschen Übersetzung, sehr gelungen ist, denn er enthält eine ausgewogene Mischung aus "Klarheit und Geheimnis". Doch kritisiert er die Ausführlichkeit, mit der Suri indisches "Lokalkolorit" beschwört - der indische Alltag sei offensichtlich nicht viel interessanter als der bei uns. Bei der Darstellung der Fantasiewelt der Hauptfigur moniert der Rezensent zwar, dass es so "blumig-kitschig" zugeht, aber das sei wenigstens interessant zu lesen. Allerdings habe der Roman aufgrund seiner strengen Konstruktion insgesamt einen "Hang ins Fade". Wenn der Autor dann auch noch mit "Religionspädagogik" anfängt, ist es mit dem schwindenden Wohlwollen des Rezensenten endgültig vorbei; er kündigt an, dass er die geplanten Fortsetzungen des Romans nicht zu lesen gewillt ist.
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