Suketu Mehta

Bombay

Maximum City
Cover: Bombay
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518418420
Gebunden, 782 Seiten, 26,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Anne Emmert, Heike Schlatterer und Hans Freundl. Mit einem Nachwort von Carolin Emcke. Eine Stadt im Höhenrausch: Bombay. Mit über 14 Millionen Einwohnern ist Bombay die inzwischen größte Stadt dieser Welt; bald werden mehr Menschen in ihr leben als auf dem gesamten australischen Kontinent. Suketu Mehta, der nach einundzwanzig Jahren in die Stadt seiner Kindheit und Jugend zurückkehrt, beschreibt sie uns mit seinen Augen; taucht ein in die kriminelle Unterwelt, in der sich muslimische und Hindugangs schwere Gefechte im Streit um die politische und wirtschaftliche Herrschaft liefern; spricht mit Straßenkindern, die zu Profikillern ausgebildet werden, und Polizisten, die diese Kinder foltern und töten; er öffnet die Türen zu Bollywood, interviewt Filmproduzenten und Bartänzerinnen, die von einer Schauspielkarriere träumen, um den Slums zu entkommen, und zahllose Menschen, die täglich aus den Dörfern in die Stadt ziehen und statt Arbeit nur Elend finden.
Temperamentvoll verknüpft Suketu Mehta die einzelnen Geschichten und Bilder zu einem großen Ganzen, das so faszinierend wie abgründig ist, so abschreckend wie sinnlich und reich. Und er verdeutlicht zugleich: Bombay ist die Stadt der Zukunft, "ein Vorbote der ausufernden Megalopolen, die den Begriff der "Stadt" über kurz oder lang neu definieren werden".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2006

Fasziniert, wenn auch nicht gänzlich überzeugt, ist Angela Schader von Suketu Mehtas Reportage über Bombay. Mehta widmet sich mit besonderer Aufmerksamkeit den Nachtseiten der indischen Metropole, berichtet sie: Den religiösen Ausschreitungen um die Schleifung der Moschee in Ayodhya 1992/93, dem organisierten Verbrechen, der Prostitution. Sie würdigt, wie ausdauernd, fair und geschickt der Autor recherchiert habe, ist aber gleichzeitig abgestoßen von der großen Kaltblütigkeit, die er dabei manchmal an den Tag legt. Vor allem aber wirft sie dem Autor vor, bisweilen "zu sehr in den Bann seiner Materie" geraten zu sein und infolgedessen allzu breit über die spektakulären oft gewaltgeprägten Seiten der Stadt zu berichten. Zu kurz kämen dabei die ruhigeren Aspekte Bombays, die er beinahe wie eine Pflichtübung abhandelt, bedauert die Rezensentin. Denn gerade in diesen Geschichten, etwa über das von Armut aber gleichzeitig von Solidarität geprägte Familienleben, findet sie "wahres Heldentum im Kleinen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Als "wahnsinnig gutes Buch" würdigt Nils Minkmar diese Großreportage über Bombay, die Suketu Mehta vorgelegt hat. Das Buch hat ihn sichtlich fasziniert und er verspricht auch den Lesern, die sich eigentlich nicht für Indien interessieren, dass es ihnen ebenso gehen wird. Die Reportagen über Bewohner Bombays und die Berichte über die Fortschritte von Mehtas Familie beim Einleben in diesem überfüllten, überdimensionierten Moloch ergänzen sich für Minkmar bestens. Den Ansatz des Autors, sich an dieses Monstrum von Stadt über die Geschichten von Leuten zu nähern, die gelernt haben, darin zu leben, scheint ihm überaus spannend. Er attestiert Mehta, Einblicke auch in extreme Branchen und die kriminelle Unterwelt zu geben. In diesem Zusammenhang berichtet Minkmar etwa über eine Begegnung des Autors mit einem faschistischen indischen Politiker und über ein Treffen mit einer Gruppe von Killern.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2006

Als "schillerndes Kaleidoskop" beschreibt Rezensentin Sabine Peters Suketu Mehtas fast achthundertseitige "Mischung aus Reportage, Essay und persönlichen Erinnerungen" über die Megacity Bombay. So sehr Peters jedoch immer wieder gefesselt in die Abgründe dieser Riesenstadt blickt, hat sie dem Buch und seinem Ansatz gegenüber doch ambivalente Gefühle. Zum einen überfordert sie manchmal dessen schier überbordende Informationsfülle. Zum anderen befremdet sie immer wieder die allzu glatte und kühle Beschreibung von Schreckensszenarios wie selbst beobachtete Polizeifolter oder Mehtas Interviews mit bezahlten Killern und ihren Auftraggebern. Der Neutralität dem Bösen gegenüber, die sich der Autor selbst verordnet hat, mag sie sich nämlich nicht anschließen. Ihrer Beschreibung zufolge ist das Buch in drei Teile gegliedert. Teil eins handelt vom "aus den Fugen geratenen politischen System" der Megametropole und ihren kriminellen Schattenseiten. Teil zwei befasst sich mit der Vergnügungsindustrie, Bollywood und den Rotlichtvierteln der Stadt. Im letzten Teil geht es Peters zufolge um unterschiedliche Eigenheiten Bombays. Man brauche Geduld für das Buch, schreibt sie auch, werde dafür aber reichlich belohnt: mit einem Blick auf das, was uns allen droht, wenn Globalisierung und Urbanisierung der Welt wie bisher weitergehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006

Alex Rühle legt den Lesern seiner Kritik erst mal ein paar Zahlen zur Megastadt Bombay vor, um ihn auf Suketu Mehtas 700 Seiten starkes Buch, eine Mischung aus Stadtreportage, Roman und Essay, einzustimmen. Der in Kalkutta geborene Autor ist zwei Jahre durch Bombay gestreift und hat mit so verschiedenen Menschen wie Gangsterbossen, Tänzerinnen, Milliardären, die zu Bettelmönchen wurden oder Vertretern der schicken Oberschicht gesprochen, erklärt der Rezensent. Rühle spekuliert über die Ausmaße des Charmes von Mehta, denn er ist wirklich beeindruckt, wie offen ihm die Porträtierten aus ihrem Leben erzählt haben. Zu preisen sei der Mut und die Wissbegier des Autors, der sich in die verruchtesten, gefährlichsten Ecken der Stadt getraut hat. Aber noch beeindruckender findet der begeisterte Rühle die "überströmende Zuneigung", die Mehta den Menschen entgegenbringt und die aus jeder Zeile des Buches spreche.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2006

Noch nie hat jemand für eine Beschreibung von Bombay aus der Sicht des kleinen Mannes heraus so außergewöhnlich viele und hochkarätige Gesprächspartner gehabt, staunt Sven Hansen. Ob Gangsterbosse oder Hindu-Fundamentalisten, alles sind der Aussicht verfallen, vom Drehbuchautor Suketu Mehta vielleicht einmal in einen Bollywood-Streifen hineingeschrieben zu werden. Es gibt also viel zu erzählen, aber die knapp 800 Seiten hätte es nach Ansicht des Rezensenten dazu nicht unbedingt gebraucht. Mehta pflegt seine "Hassliebe" zu dieser von ihm oft als unerträglich beschriebenen Stadt immer mit einer "kritischen Distanz", wie Hansen betont. Manchmal findet er auch Anrührendes wie die Solidarität der Zugpendler, eine Szene, von der unser von Brutalität und Überlebenskampf erschöpfte Hansen nachhaltig beeindruckt ist.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.09.2006

Susanne Messmer ist begeistert von Suketu Mehtas Mammutreportage "Bombay. Maximum City", die sie irgendwo zwischen Roman und Reiseliteratur ansiedelt. Sie würdigt das über 700 Seiten starke Buch als "wahre Wundertüte sprachlich gekonnter und detailreicher Analysen". Selten hat sie so viel über Bombay erfahren wie in diesen Buch. Ihr besonderes Interesse gilt den gut 200 Seiten über die indische Filmindustrie. In diesem Zusammenhang bescheinigt sie dem Autor, Einblicke in die boomende Filmindustrie des Landes zu geben, wie sie sie bisher noch nie gelesen hat. Nach der Lektüre des Bandes hat der Leser ihrer Ansicht nach eigentlich keine andere Wahl als selbst nach Bombay zu reisen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

"Atemberaubend", "passioniert" und "rasend" nennt Rezensentin Christiane Grefe diese knapp 800-Seiten lange literarische Bombay-Reportage, die sie "von unvergesslichen Beobachtungen und Begegnungen, Bildern und Beziehungen" schlicht bersten sieht. Das "furiose" Buch sei vieles in einem, nämlich "politische Analyse, bilderreicher Essay, Realkrimi, Comedie Humaine und infernalische Komödie. Autor Suketo Mehta sei im Laufe seiner Recherchen tief in die Mega-Metropole eingedrungen und stelle sie nun als "Vorboten jener ausufernden Megalopolen" der Zukunft dar. Mit Respekt für jeden Einzelnen beschreibe er einen Toilettenreiniger ebenso unvoreingenommen wie Bollywoods Kinogötter oder radikale, gewalttätige junge Muslime und Hindus. Seine bis zur Verschmelzung gehende Nähe zu den Objekten der Beschreibung, die Extremität manch beschriebener Szenen wirft für die Rezensentin aber immer wieder Fragen nach der Ethik des Rechercheurs auf. Fragen, für die dieses ungeheure Buch ihrer Ansicht nach viel Stoff zum Nachdenken bereit hält. Doch mache dieses Buch mit Mehtas Beschreibungen von selbst beobachteten erzwungenen Folteraussagen und verbrennenden Menschen schließlich auch seine Leser zum Komplizen. Mit Bedauern gibt Grefe allerdings zu Protokoll, dass sie aus einem Nachwort des Autors gern erfahren hätte, was zehn Jahre nach Abschluss der Recherchen aus einzelnen Konflikten und Protagonisten geworden sei.
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