Gerhard Schweizer

Metropole Moloch Mythos

Eine Reise durch die Megastädte Indiens
Cover: Metropole Moloch Mythos
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2004
ISBN 9783608935172
Gebunden, 272 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Das überwältigende Phänomen indischer Megastädte schildert Gerhard Schweizer in einem überraschenden Reisesachbuch. Wie im Zeitraffer gelingt ein facettenreicher Einblick in die Megastädte Kalkutta, Bombay, Delhi, Bangalore. Er zeigt, daß solchemonströs wuchernden Ballungsräume zu den Kernproblemen des 21. Jahrhunderts gehören werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2005

Gerhard Schweizer habe es nicht geschafft, seinen eigenen löblichen Zielen gerecht zu werden, muss der "wen" zeichnende Rezensent enttäuscht feststellen. Eigentlich sei eine differenzierte Betrachtung einer Stadt wie Kalkutta (von der das Buch entgegen des Untertitels fast ausschließlich handelt) längst überfällig gewesen, um die westliche Berichterstattung über eine "todgeweihte Elendsmetropole" zu relativieren. Zu diesem Zweck habe sich Schweizer also ins Gewühl gestürzt und versuche nun, dem Leser das schwierige und chaotische Leben dort zu erklären, auch indem er Hintergründe zur Geschichte liefert. Leider lasse er dabei Wesentliches aus, meint der Rezensent, zum Beispiel die Analysen der englischsprachigen Fachliteratur und Zustand und Entwicklung der letzten Jahre, womit auch der eigene Anspruch, eine "politische Analyse" zu liefern, scheitere, zumal sich der Autor aufs Allgemeine beschränke und in die Pauschalurteile verfalle, denen er selbst entgegenwirken wollte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.09.2004

Silke Hohmann hält Gerhard Schweizer für den richtigen Mann, um den Leser vertraut zu machen mit den Problematiken der indischen Großstädte. Denn trotz aller Empathie ist der Konfliktforscher nach wie vor in der Lage zum analytischen Blick - und nicht zuletzt zu einer lebendigen Sprache, die seinem Werk stellenweise den Charakter von Reisereportageliteratur verleiht, wie die Rezensentin befindet. Schweizer versucht die Balance von eurozentrischem und indieninternem Blick. Er setzt sich seinen Erfahrungen aus. So sind auch seine Beobachtungen zu den Slums zwiespältig; führt einerseits der Hinduismus mit seiner Vorstellung, das Leben auf der untersten Stufe der Gesellschaftsleiter habe zu tun mit Verfehlungen in einer früheren Inkarnation, zu grundlegender sozialer Passivität, zu Defätismus, sorgt dieselbe Haltung doch auch dafür, dass Gewalt in indischen Slums, anders als in afrikanischen oder südamerikanischen, kaum eine Rolle spielt: das Gefühl der Ungerechtigkeit der persönlichen Situation fehlt. So hat Schweizer eine funktionierende, durchaus Anlass zur Hoffnung gebende Selbstregulation der Slums beobachtet - insofern hält die Rezensentin auch den Titel "Metropole, Moloch, Mythos" für etwas reißerisch. Haarsträubend findet Hohmann anfangs die Nonchalance, mit der die Oberschicht Indiens das Elend unter ihr hinnimmt. Doch dann kehrt der Blick sich um; plötzlich sieht die Rezensentin Europa aus der indischen Perspektive. Anlass ist die Gegenfrage eines indischen Industriellen, wie die Europäer sich zwar über Mülltrennung ereifern, aber ihre Familie vernachlässigen können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Eine "gelinde Übertreibung" nennt Stefan Fischer den Untertitel, der eine Reise durch die Megastädte Indiens verspricht. Gerhard Schweizer konzentriert sich in seinem "Versuch" der Beschreibung einer indischen Megastadt auf Kalkutta, und er tut gut daran, wie der Rezensent befindet. Auch wenn überall Verfallserscheinungen zu beobachten sind, möchte der Autor nicht an den Tod des kulturellen Zentrums Indien glauben, sondern diagnostiziert vielmehr eine "funktionierende Anarchie". Da es kaum Tempel, Paläste oder andere gegenständliche Bauten gibt, um Kalkutta zu beschreiben, stützt sich Schweizer auf Traditionen und Religionen. Und auch wenn seine Beschreibungen "mitunter" ausfasern wie die Randbezirke der 15-Millionen-Stadt, oder einfach "allzu banal" sind, kapituliert er doch nicht vor der Megastadt. "Ganz im Gegenteil", wie der Rezensent schließlich recht sphinxhaft kommentiert.
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