Aus dem Englischen von Beatrice Faßbender. "Diese Stadt diese Stadt" - ratlos und empört, fasziniert und entsetzt sieht man mit Altaf Tyrewala auf seine Heimat Mumbai und die 18 Millionen Menschen, die hier tagtäglich versuchen, sich ein Leben im Chaos zu erkämpfen. Und oft genug verlieren. Der Teeverkäufer Ganesh zum Beispiel, dessen Straßenstand einer Bushaltestelle Platz machen muss und der sogar beim Selbstmord noch Pech hat. Oder Bhanu, eine Dalit, die in einer Hütte neben dem Luxushochhaus ihres Herrn verreckt. Tyrewala lässt sie in seinem zornigen Langgedicht vorüberziehen und schafft ein Panoptikum des Lebens in einer entfesselten Metropole unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus; in einem Land, das sämtliche Widersprüche dieser schönen neuen Welt auf sich vereinigt. Ein "Wasteland" für unsere Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2014
Höchst beeindruckt berichtet Rezensent Jan Volker Röhnert über dieses Langgedicht, das er als einen "Episodenfilm in Stakkatoversen", eine atemlose, alptraumhafte und apokaplyptische Vision anpreist, die gar keine andere Form mehr finden konnte als ein an Eliots "Wasteland" erinnerndes poetisches Innehalten und Herausschreien. Schuld an allem Übel in der wuchernden Metropole ist dabei nach Auskunft des Rezensenten der übliche Verdächtige - das Kapital. Ob auch der zynische Horror des Kastenwesens und des religiösen Hasses in Tyrewalas Visionen einfließen, lässt der Rezensent offen. Faszinierend ist die Lektüre, die sowohl alte indische als auch neue Pulp-Fiction-Vorbilder einbindet, für ihn allemal - um so mehr, als man parallel zur deutschen Übersetzung das englische Original mitsamt Glossar der indischen Ausdrücke mitlesen kann.
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