Angekommen in der herrschaftlichen Wohnung am Stuttgarter Platz in Berlin und flugs eingetreten in die fremde Sprache, macht sich die große Wandlerin der Gegenwartsliteratur Madame Nielsen auf, das "Deutsche" zu suchen. Dabei trifft sie auf den wahrhaften Wutbürger, steigt mit dem Hausphilosophen der AfD hinab zu den Geistern der Vergangenheit und unterhält sich mit der letzten wirklichen Diva über Leben und Tod - nicht um sie vorzuführen oder um sich ihnen anzuverwandeln, sondern um sich, getrieben von einer inneren Unersättlichkeit, der Welt und ihren Verhärtungen schonungslos und offen auszusetzen. Denn anstatt es sich in starren Identitäten, Ideen und Kategorien einzurichten, gilt es, das Eigene, das "Deutsche", das Denken beständig zu erkunden, weniger als eine unumstößliche Notwendigkeit, sondern vielmehr als allumfassende Möglichkeit.
Rezensent David Hinzmann folgt der stets schwer greifbaren, dänischen Schriftstellerin gerne bei den charmanten Überlegungen, die sie in diesem Essayband über die deutsche Kulturlandschaft anstellt. Was sie hier flächendeckend vorfindet, egal ob bei bildungsbürgerlichen Linken oder AfD-Anhängern, ist eine Liebe für die eigene Belesenheit, der Deutsche als "zitierwütiges Wesen", fasst Hinzmann zusammen. Dabei mache sich Nielsen auch über die eigene, ebenfalls primär bildungsbürgerliche Leserschaft lustig, ein Manöver, das für den Kritiker gut zum ironischen Ton der Texte passt. Dieser Ton, gemischt mit Nielsens pointenreichem Kulturpessimismus, erinnert Hinzmann an die Texte von Maxim Biller, von dem sich die weniger polemische Autorin in einem Porträt Billers jedoch bewusst abgrenzt, so der Kritiker: Ihre Kritik richte sich vielmehr auf diejenigen, die kulturelles Wissen zur Dekoration oder bloßen Selbstüberhöhung benutzten. Die große Kunst dieser kritischen Texte liegt für Hinzmann in ihren feinen Verbindungen.
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