Annette Ohme-Reinicke

Das große Unbehagen

Die Protestbewegung gegen Stuttgart 21. Aufbruch zu neuem bürgerlichen Selbstbewusstsein?
Cover: Das große Unbehagen
Schmetterling Verlag, Stuttgart 2012
ISBN 9783896570598
Kartoniert, 198 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Gegen "Stuttgart 21" wird demonstriert, gesungen, gedichtet, gemalt, prozessiert, informiert, polemisiert. Die Protestbewegung hat zwei neue Zeitungen, einen Fernsehsender, mindestens fünf Fernsehfilme, einige Romane, verschiedene Krimis, etliche Sachbücher und mindestens zwei Theaterstücke hervorgebracht. Sie hat eine Landesregierung gestürzt und eine Volksbefragung erzwungen. Ein "Kulturdenkmal" der Bewegung, der künstlerisch okkupierte Bauzaun, steht bereits im Haus der Geschichte. Bleibt die Frage nach den Beweggründen. Warum artikuliert sich in Stuttgart ein solch großes Unbehagen, ausgerechnet heute, gegen einen Bahnhofsumbau? Lehnt sich hier ein traditionsverhafteter Mittelstand gegen unbegriffene Veränderungen auf oder zeigt sich in den Protesten ein neues bürgerliches Selbstbewusstsein? Ohme-Reinicke unternimmt den Versuch, die Bewegung gegen "Stuttgart 21" historisch einzuordnen und theoretisch zu reflektieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2012

Nein, so wie in diesem Buch möchte Wolfgang Jäger als Bürger lieber nicht aufgeklärt werden. Denn die von der Autorin propagierte, für Jäger nur scheinbar demokratische Realität scheint ihm nicht besser, als die vermeintlich ideologische Staatsräson. Annette Ohme-Reinickes Analyse der Hintergründe der auf Stuttgart 21 reagierenden Protestbewegung, die die Autorin als Aufstand des instrumentalisierten Marktsubjekts gegen die neoliberale Gesellschaft begreift, findet Jäger zu heterogen. So stößt er auf impressionistische Skizzen über die Stuttgarter Mentalität, sozialhistorische Rückblenden oder die Darlegung der sozialdemokratischen Fortschrittsgläubigkeit. Bei der Einordnung des Projekts jedoch vermisst Jäger bei der Autorin ein Bewusstsein für rechtsstaatliche Entscheidungsprozesse und repräsentative Demokratie.
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