Lukas Rietzschel

Raumfahrer

Roman
Cover: Raumfahrer
dtv, München 2021
ISBN 9783423282956
Gebunden, 288 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Gebäude lassen sich abtragen und neu aufbauen, Erinnerungen nicht. Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.08.2021

Lukas Rietzschels neuer Roman "Raumfahrer" ist für Rezensent Johannes Nichelmann ein "dramaturgisch dichtes Sittengemälde". Der 1994 geborene und in Sachsen aufgewachsene Autor verbindet in dem Buch die Erfahrungen der Nachwende- und Nachkriegsgenerationen, erklärt Nichelmann. Die Charaktere, so unterschiedlich sie auch sein mögen, haben dem Rezensenten zufolge dabei eine Gemeinsamkeit - sie alle schweben wie "Raumfahrer" zwischen ihren inneren Konfliktpunkten, den Gegensätzen Ost und West, dem Damals und dem Heute. Nichelmann merkt an, dass die Schicksale, besonders die des Malers Georg Baselitz und seinem Bruder Günter Kern betont fiktional und mit Rietzschels spannender, rhythmischer Sprache und starker Bildhaftigkeit untermalt sind. Mit seinem Buch hat der Autor jedenfalls den Zeitgeist vieler Ostdeutscher getroffen, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.08.2021

Rezensent Jörg Magenau scheint sich zu wundern, dass die spröde, sparsame Erzählweise von Lukas Rietzschel ihn mehr anzieht als abstößt.  Die teilweise auf Tatsachen basierende Geschichte um die Familie Baselitz aus Kamenz, die der Autor mit der Geschichte eines jungen Krankenpflegers aus der Oberlausitz verzahnt, scheint für Magenau vielschichtig und gekonnt komponiert. Das Buch ist für ihn Stasiroman und exemplarisches postsozialistisches Zeitpanorama in einem, geschrieben mit einem ordentlichen Schuss Heimatliebe.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.08.2021

Für die Rezensentin Miriam Zeh schreibt aktuell niemand einfühlsamer über Männlichkeit als Lukas Rietzschel. Und die Kritikerin trifft auf jede Menge Männer im zweiten Roman des jungen Autors: Zunächst begegnet sie Pfleger Jan aus Kamenz, der von einem alten Mann, Sohn von Georg Baselitz' Bruder Günther Kern, einen Karton überreicht bekommt, in dem es um Verstrickungen zwischen der Baselitz-Familie und der Trennung von Jans Familie gehen soll. Jan sucht den Kontakt zu seinem Vater, recherchiert über den wenig bekannten Baselitz-Bruder und dessen Observierung durch die Stasi und stößt auf verschollene Baselitz-Bilder. Trotz diverser "Knalleffekte" konzentriert sich Rietzschel in dieser Mischung aus Generationenroman und fiktionalisierter "Künstlerbruder-Biografie" auf das Wesentliche, skizziert die Gegend und ihre Bewohner und lässt seine Figuren "schweben", lobt die Kritikerin.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.07.2021

Rezensent Marc Reichwein zeigt sich überzeugt von Lukas Rietzschels Nachwenderoman. Zwar bietet der Text laut Rezensent eine Menge Stoff auf, ist Stasi-Krimi, Sittenbild und Künstlerroman zugleich, vermag es aber, die verschiedenen Handlungsstränge um die disruptive Erfahrung der Nachwendeära gekonnt zu verbinden. Die Familiengeschichte eines Krankenpflegers und die der Familie des Malers Georg Baselitz aus Kamenz erzählt der Autor laut Reichwein dicht und in dramatischer Bildlichkeit und indem der seinen epischen Stoff in elegante Prosa übersetzt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.07.2021

Rezensentin Marlen Hobrack wünscht sich, von Lukas Rietzschels neuem Roman "Raumfahrer" wäre ein wenig mehr geblieben als Gegenwartstristesse und Hyperrealismus. Sie liest hier eine Geschichte über das Leben in und nach der DDR in drei verschiedenen Zeitebenen, erklärt Hobrack: Zum einen taucht sie mit dem jungen Autor ab in die Gegenwart, in welcher der Pfleger Jan von einem alten Mann Briefe überreicht bekommt, die ihm die Vergangenheit seiner Mutter erhellen sollen. Die zweite Erzählebene widmet sich  dem Briefwechsel der Brüder Kern, von denen der eine bald international als Maler Georg Baselitz berühmt wurde. Die dritte Ebene beschäftigt sich mit Günters Sohn Thorsten, der dem Pfleger Jan als gealterter Mann die Dokumente überreicht, lässt uns die Rezensentin wissen. Die personale Erzählform erscheint Hobrack klug, aber die Themenüberfülle - auch das Thema Raubkunst wird im Roman gestreift - und die naiven, mitunter kitschigen Stellen im Buch machen die Lektüre für die Rezensentin mühevoll. Nicht ganz ausgereift, schließt sie.

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