Kasper und seine Freundin hatten eigentlich den Plan gefasst, sich nie mehr wiederzusehen. Aber weil einsame Menschen dieser Tage Gefahr laufen, von der galoppierenden anämischen Depression dahingerafft zu werden, sehen sie sich, gegen alle Vorsätze, einfach doch wieder. Gemeinsam bewohnen sie das Haus von Kaspers totem Großvater, wo sie Besuch von einem violetten Herrn erhalten, der, ebenfalls voll Sehnsucht nach ein wenig Gesellschaft, seine undurchschaubaren Dienste anbietet. Ein Roman in der Manier der guten alten Schauernovelle. Ein Beziehungsdrama voller Geld und Geigen, mit Tod, Dilettantismus und Vampiren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.08.2015
Rezensent Martin Lechner kann kaum glauben, dass dieser herausragende kleine Vampirroman bisher "dem Radar des Literaturbetriebs" entgehen konnte. Denn Luise Boeges Debüt "Kaspers Freundin" ist nicht weniger als ein klug komponiertes und wunderbar komisches Sprachereignis, schwelgt der Kritiker, der gebannt die Geschichte um den nach dem Tod seines Großvaters von einem mysteriösen violetten Herren heimgesuchten Kasper, seine Freundin und einen Vampirjäger liest. Verschwommen und im besten Sinne unscharf erscheint dem Rezensenten diese fesselnde Geschichte, in der Boege die Sprache ganz eigene Kapriolen schlagen lässt und das ganze Potential einer mutig-wilden Adjektivbildung ausschöpft. Brillant, wie die Autorin nicht nur das Vampirgenre durch Auslassungen und Andeutungen unterläuft, sondern auch immer wieder mit den Grenzen zwischen Realismus und Fiktion spielt, lobt der Kritiker, der hier nicht zuletzt eine herrlich schräge Geschichte über eine untote, heimlich verwesende Liebe liest.
Hannes Becker preist die Verschiebungen der Realität in Luise Boeges Debütroman. Wie die Autorin Gegenwartsthemen, Internet, Sex, Arbeit, Geld und Musik mit einer literarisch selbstreflexiven Kasperlgeschichte und Ingredienzien des Schauerromans verbindet, findet der Rezensent abenteuerlich, aber durchaus gelungen. Dass ernste Themen wie die Veränderbarkeit des Charakters oder das Wesen der Zeit darin Platz finden, überrascht Becker positiv.
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