Isabel Allende

Die Stadt der wilden Götter

Roman. (Ab 12 Jahre)
Cover: Die Stadt der wilden Götter
Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN 9783446201880
Gebunden, 360 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Gibt es im Dschungel des Amazonas wirklich ein riesiges, menschenähnliches Wesen, eine Bestie, die Menschen und Tiere tötet? Das soll eine Expedition herausfinden, der auch der 15jährigeAlex aus Kalifornien angehört...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.11.2002

Monika Klutzny hat verschiedene Jugendbücher gelesen und sich dabei über die Qualität der angebotenen Identifikationsfiguren für Mädchen Gedanken gemacht. Über Allendes "Die Stadt der wilden Götter", in der drei Generationen von Frauen eine wichtige Rolle spielen, hat sie sich nicht wenig geärgert. Nichts als Klischees, wettert die Rezensentin und ereifert sich über die "peinlich triviale Geschichte". Sie findet die Figur der rauchenden und Wodka trinkenden Großmutter genauso schablonenhaft wie die im Urwald arbeitende Ärztin und das stets mit einem Äffchen und "übersinnlichen Kräften" ausgestattete Mädchen Nadia, und sie findet die Protagonistinnen als weibliche Rollenmodelle ziemlich fragwürdig. Dass der Roman von der Kritik keine guten Noten bekommen hat, wundert Klutzny nicht. Aber dass er von der Volkacher Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum "Buch des Monats" gekürt wurde, ist ihr vollkommen rätselhaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Dieses Buch ist der erste Jugendroman der Autorin, wie Rezensent Michael Schmitt weiß. Die Abenteuer während einer Expedition in den Urwald bieten kaum Überraschungen und haben allerlei Klischees im Gepäck, räumt er zunächst ein, um dann aber zu betonen, dass ein "zweiter Blick" in dieses Buch durchaus lohnenswert ist. Denn, so Schmitt, eine "Kollektion von Klischees" ergibt mitunter "mehr als die Summe aller Abgedroschenheiten", und dies, meint er, ist hier der Fall. Er lobt den Jugendroman als eine Reise in eine "anspruchsvolle" Märchenwelt, und ist erleichtert, dass es zwar öfters "schlicht", aber zum Glück nicht "süßlich" in diesem Buch zugeht. Und dies "versöhnt" ihn dann auch mit so manchem, was er ziemlich problematisch an dem Buch findet, insbesondere der "Botschaft" der Geschichte, die er allerdings nicht näher erläutert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2002

Wenig Gutes hat der Rezensent Andreas Rosenfelder über dieses erste Jugendbuch der Erfolgsautorin Isabel Allende zu vermelden. Zwar erfülle das Buch so einige Erwartungen, die man an einen Abenteuerroman haben kann, und sei auch einigermaßen fesselnd - in den guten Momenten des Romans stecke gelegentlich "Stoff für eine Art grünen ?Herr der Ringe?. Doch bleibt für Rosenfelder ein negativer Beigeschmack: "die Weglesbarkeit dieses Romans erscheint über weite Strecken nur als angenehme Rückseite seiner Heruntergeschriebenheit". Was ihn neben dem esoterisch angehauchten Plot am meisten stört, sind die vielen Klischees: man hat seiner Meinung nach einfach zu oft das Gefühl, diesen Satz schon einmal gehört zu haben. Für die Strategie der Verlage hat der Rezensent nur ein müdes Lächeln übrig. Das Buch wurde parallel von zwei Verlagen veröffentlicht. Hanser bemüht sich dabei offensichtlich, die jugendlichen Leser zu erreichen, während Suhrkamp sich für das Marktsegment der Erwachsenen zuständig fühlt. Damit dieses Rechnung aufgeht, dafür bräuchte der Roman etwas mehr Substanz, kommentiert Rosenfelder leicht spöttisch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2002

Richtiggehend peinlich berührt ist Gerda Wurzenberger von diesem ersten Jugendbuch der für ihren magischen Realismus bekannten Isabel Allende. Wie die Autorin diesen Ansatz in ihrer mit dem pädagogischen Vorschlaghammer bearbeiteten Geschichte unterbringt, findet die Rezensentin sehr befremdlich: "Ein bisschen Agatha-Christie-Exotik, viel Zivilisationskritik, pseudophilosophische Überhöhungen [?] werden mit einer quasi magischen Ebene zusammengeführt, mit der sie keinerlei Verbindung eingehen." Diese inhaltlichen Inkohärenz spiegelt sich auch in der Sprache wieder, denn "zwischen flapsigem Jugendjargon und kitschigem Naturpathos" lässt Allende nach Wurzenbergers Meinung nichts aus. Ihr abschließendes Fazit fällt verheerend aus. "Kein Drang nach Erzählen spricht aus diesem Buch, einzig der Wusch, zu belehren". Es ist eine durchweg vernichtende Kritik der Arbeit der lateinamerikanischen Erfolgsautorin, die die Rezensentin hier abliefert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.09.2002

Isabel Allende, die mit ihren Romanen so manche Bestsellerliste angeführt hat, startet nun eine neue Karriere als Jugendbuchautorin, und das hätte sie lieber bleiben lassen sollen. Dies ist jedenfalls Konrad Heidkamps Besprechung des ersten Romans, dessen Story auf drei Bände angelegt ist, zu entnehmen. Auch wenn das Buch, wie er findet, vielversprechend beginnt und viele Erzählmöglichkeiten birgt, sinke das Niveau schnell und tief. Hierfür gibt es seiner Meinung nach zahlreiche Gründe. Ein wesentlicher ist für ihn Allendes Bestreben, alles in ihren Roman hinein packen zu wollen. Die Verbindung von Abenteuer, Zauberwelt und Humor, ein wohlbekanntes und häufig erprobtes Erfolgsrezept der Jugendliteratur ist zwar nicht per se verboten, sollte aber auch nicht "billiger als nötig verkauft" werden, meint er. Bei Allende stoße der jugendliche Leser jedoch auf nichts als Klischees, flache Dialoge und "peinlich verdummende" Problemlösungen, und ob der Humor der Autorin den Nerv von 12-Jährigen trifft, bezweifelt Heidkamp stark. Die Ankündigung, dass der zweite Band bereits fertiggestellt sei, empfindet er jedenfalls eher als Drohung.