Lothar Kettenacker (Hg.)

Ein Volk von Opfern?

Die neue Debatte um den Bombenkrieg 1940-45.
Cover: Ein Volk von Opfern?
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783871344824
                         , 193 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Beiträge von Ralph Giordano, Hans Mommsen, Richard Overy, Martin Walser, Peter Wapnewski, Hans-Ulrich Wehler und weiteren Autoren. Seit Jahren hat keine historische Debatte die Öffentlichkeit so stark beschäftigt wie die Kontroverse um die Rolle der Deutschen als Opfer im Zweiten Weltkrieg. Die Leiden der Vertreibung und des Bombenkrieges sind erst seit kurzem Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung. Doch schon regt sich Widerstand: Waren denn nicht Bombenkrieg und Vertreibung die gerechtfertigten Reaktionen auf den Angriffskrieg, der von Deutschland ausging?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2003

Lothar Kettenackers Band "Ein Volk von Opfern?" versammelt die Reaktionen auf Jörg Friedrichs Buch "Der Brand", das im Spätherbst letzten Jahres eine emotionale Debatte um den Bombenkrieg gegen Deutschlands Städte ausgelöst hatte, berichtet Christoph Jahr. Wie er ausführt, stieß vor allem Friedrichs Wortwahl, mit der er den Bombenkrieg in die Nähe des Holocausts rückte und den britischen Kriegspremier Winston Churchill als Kriegsverbrecher erscheinen ließ, auf Widerspruch. Deswegen musste er sich in Deutschland wie Großbritannien den Vorwurf gefallen lassen, deutsche Untaten mit denen der Alliierten aufzurechnen und letztlich zu relativieren. Während der Historiker Hans Mommsen Friedrichs Wertungen weitgehend verteidige, bemängelten die meisten seiner Kollegen fehlende Kontextualisierung. Neben den Beiträgen von Horst Boog, der Friedrich zahlreiche sachliche Fehler und Übertreibungen nachweist, hebt Jahr die "sehr persönlich gehaltenen Anmerkungen" Peter Wapnewskis hervor, der von den gemischten Gefühlen in den Luftschutzkellern berichte. Insgesamt zeugt die Debatte nach Ansicht Jahrs von einem "hohen Reflexionsniveau". Allerdings hätte er gewünscht, "dass auch Friedrich selbst nochmals zu Wort gekommen wäre".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.04.2003

"Die deutschen nennen Churchill einen Kriegsverbrecher", zitiert Rudolf Walther den Aufschrei der britischen Zeitung Daily Telegraph nach dem Erscheinen Jörg Friedrichs aufsehenerregendes Werk "Der Brand". Unter anderem sammelt dieses Buch nun die Debatte der großen deutschen und britischen Tages- und Wochenzeitungen über Friedrichs Studie über den Bombenkrieg von 1940-45, informiert ein sehr zurückhaltender Walther. Vor allem die britischen Reaktionen werden von dem englischen Historiker Mark Connelly einer genaueren Analyse unterzogen und Walther erfährt, dass der Aufregung der britischen Bevölkerung vor allem auf großflächiger Desinformation beruhte. Der Rezensent lobt dann aber doch die "Analysen von Richard Overy und Lothar Kettenacker" über das "politische und militärische Dilemma, in dem Churchill steckte" und das zu dem "Flächenbombardement deutscher Städte" führte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.04.2003

Joachim Käppner bespricht vier Bücher über die Bombenangriffe der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs und die "moralische Debatte", die um das Bombardement geführt wird. Das Buch von Kettenacker, resümiert der Rezensent, gibt einen Überblick über die Diskussion, die das Buch "Der Brand" von Jürgen Friedrich im letzten Jahr ausgelöst hat. Käppner lobt das vorliegende Buch als "spannend" und sieht darin die "wichtigsten Beiträge" und Erwiderungen auf Friedrichs Buch enthalten. Dem Herausgeber stimmt er in so fern zu, dass auch er der Meinung ist, dass die alliierte Bombardierung nicht die Wirkung erzielt hat, die sich die Alliierten versprochen hatten. Allerdings, so Käppner kritisch, werde mit diesem Argument die verbreitete Ansicht verstärkt, dass das Bombardement den Krieg nicht verkürzt habe, und dies hält der Rezensent für ungerechtfertigt.
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